Samstag, 20. Oktober 2012

Strandtag

Heute ist Strandtag. Warum ich das betone, weiß ich auch nicht, denn eigentlich ist jeder Tag Strandtag, dazu bin ich ja da. Aber erzählt habe ich noch nichts davon, da kommt jetzt: war man frühstücken, führt einen der Weg zum Strand direkt an der Handtuchausgabe vorbei, war man spätstücken, ist man schon am Strand und muß dann nochmal zum Pool, oder man behält das alte Handtuch. Dann entscheidet man sich zwischen Bar und Sonnenschirm. Unter dem Sonnenschirm kann man liegen, an der Bar nicht. Dafür kriegt man dort die Getränke gebracht. Ich hole mir ein Getränk und suche einen Sonnenschirm aus, wo es ruhig ist. Bis auf das feine Kreissägengeräusch aus dem Nachbarhotel, das im November neu eröffnet wird. Das Jahr haben sie sicherheitshalber nicht dazu geschrieben.
Ich gehe ins Wasser, was sich um die Tageszeit in den ersten Minuten etwas frisch anfühlt. Deshalb habe ich noch gewartet, aber genützt hat es nichts.
Das Schaukeln in den Wellen ist herrlich. Man hört nur das plätschern und rauschen des Meeres um einen herum und manchmal auch oben drüber, das sanfte Rotorgeräusch eines frühen Hubschraubers, sowie das weiche, leicht angestrengte Summen eines Motorboots, das sich damit abmüht, einen bunten Gleitschirm mit zwei daran baumelnden, gut genährten Touristen nach oben zu befördern. Die Wellen sind sanft, und alles ist ruhig und friedlich.
Da, plötzlich passiert es: kurz nach dem Durchgang jeder Wellenfront ertönt knapp hinter mir ein synchrones, vierstimmiges Quietschen. Als ich mich umdrehe, sehe ich mich einer knallbunten Luftmatratze gegenüber, auf der, eng nebeneinander, vier braune Mädchen hängen, alle noch knapp im einstelligen Bereich, und ihre Begeisterung über jede kleine Welle herausquietschen. Als ich zwanzig Meter weg bin, hört sich das ganz niedlich an. Für kurze Zeit bleibt mir Gelegenheit zu signieren, welches Getränk ich als nächstes zu mir nehmen könnte, als die nächste Störung in Form von zwei jungen deutschen Mädchen das Meer besucht. Woher ich weiß, daß sie deutsch sind? Nun, wer schreit denn sonst Sachen wie "eine Welle - schon wieder eine! Scheiße, ist die hoch" (30cm, Anm. d. Verf.), etc., etc.
Nach kurzen Schwimmversuchen hüpfen die beiden nur noch im gut knietiefen Wasser herum (da, wo sich die Wellen brechen). Während die beiden auf ihre Art philosophieren, was passiert, wenn man den Kopf unter Wasser bekommt, und ich mir denke, daß zumindest Mund halten davor bewahren könnte, voll zu laufen, wird es Neptun offenbar auch zu viel. Ich fühle mich fast einen Meter hochgehoben (sicher nicht wegen der besseren Aussicht), und als die Welle die Mädchen erreicht, sind sie erst einmal still (vermutlich, da unter Wasser), und liegen hustend auf dem Strand, als sich die Gischt zurückzieht. Nach einiger hastigen Kontrolle, ob die Bikinis noch richtig sitzen, beschließen sie, zum Pool zu wechseln. Manchmal ist das Leben gerecht.
Nach einem weiteren Drink und einem Schläfchen im Liegestuhl bekomme ich Hunger, und sehe mir nach einem Aperitif das heutige Angebot an. Grundsätzlich gibt es außer frisch gegrilltem und Salaten immer die Reste des Abendessens vom Vortag, unter anderem Sardinen, die aussehen, als ob sich meine Katzen darüber freuen würden. Aber sie riechen nicht so, und schmecken gut. Der Kartoffelbrei dagegen ist mir suspekt, aber wenigstens ist das Bier frisch. Der Caipi auch.
Vom Nebentisch lächelt mich ein süßlicher Mann süßlich an. Aber ich stehe nicht auf Männer. wenn überhaupt noch, dann auf Frauen. Als ich auf die Toilette komme, steht da eine, schreit laut "olà", verschwindet in einer Kabine und fängt laut an zu singen. Nein, ich habe keine Tür verwechselt, das war die Putzfrau.
Als ich zurück bin, frage ich den Kellner nach einem Tequila Sunrise und nach der Uhrzeit. "two Sixty-Five" meint er, und langsam wird es Zeit zu gehen.
Auf dem Heimweg merke ich, daß mir meine Zimmernummer entfallen ist, aber ich weiß noch, wo die Hütte liegt: Gleich hinter dem Springbrunnen links. 
Und während ich einschlafe, denke ich mir noch: flüssige Ernährung ist auch keine Lösung...



2 Kommentare:

  1. Mädchen? Das sind doch diese Wesen vom anderen Stern, die wie kleine Menschen aussehen, aber sofort laut aufkreischen, wenn sie mit Wasser in Berührung kommen.

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