Montag, 29. Oktober 2012

Abenteuer

Früh um sechs klingelt das Telefon. Es ist niemand dran, aber das hat seine Richtigkeit. Weckruf! Ein langer Tag mit ... - nein, Ihr seid nicht im falschen Beitrag, aber irgendwie fangen alle Ausflustage so an. Auch mit der leicht chaotischen Abholung im Hotel, weil ja immer alle zehn Busse gleichzeitig da ankommen, wo nur drei hinpassen. Aber dann, am nationalen Flughafen von Punta Cana, erwartet uns etwas Neues zwei Hühner davor (ok, sind auch Fluggeräte), und hinter dem Gate eine eigene Luftflotte der Dominikanischen Gesellschaft SAP (Namensähnlichkeiten mit anderen Unternehmen sind rein zufällig), bestehend aus drei Turboprop-Maschinen mit je 18 Sitzen (eigentlich 20, die Piloten müssen auch noch mit) und drangvoller Enge. Dafür kann jeder aus dem Fenster gucken, weil das Flugzeug so klein ist. Ansonsten ist nichts wie bei den großen, keine Sicherheitsbelehrung, kein Elektronikverbot, und außer "Ladies and Gentlemen", "Fasten your seatbelts" und "final destination" versteht man auch nichts. Die Propeller laufen hoch, und als die Turbos zugeschaltet werden, geht es richtig schwungvoll los. Die Räder werden eingeklappt, so sanft und leise wie ich das noch bei einer großen gehört habe. Es sind aber auch viel weniger. 
Während dem ruhigen Flug von 25 Minuten (es kam uns allen länger vor) kann man den Piloten prima bei der Arbeit zusehen. Ich weiß jetzt zum Beispiel, wie man die Triebwerke ein- und ausschaltet. Kurz vor der Landung ertönt eine Alarmsirene, aber keine Angst, es sind nur die Räder, die wieder heraus kommen. 
Auf dem Flughafen von Samana erwarten uns die heutigen Fremdenführer, ein paar Busse in Restaurantform (Sitze, Dach, Geländer, keine Wände), und der erste Cuba libre des Tages. Schon geht es los, in wilder Fahrt über Stock und Stein, mit auf Vollast laufender Bio-Klimaanlage. Mindestens ein Hut verlässt an diesem Tag seinen Besitzer auf Nimmerwiedersehen. Später, in den Bergen, wir sind schon alle ganz durchgeschüttelt, soll es einen Bauernhof zu sehen geben. Es ist aber nur eine gut gemachte Verkostung und Einkaufsmöglichkeit einheimischer Produkte. Auch die als nächstes angekündigte Zigarrenfabrik ist nicht größer als eine halbe Garage mit drei "Drehern" drin.
Aber dann geht es zur Sache. Für den Besuch des Wasserfalls von St. Limòn werden wir alle in Gummistiefel gesteckt und auf Pferde gesetzt. Es ist das erste Mal. Das ich reite! (also, auf einem Pferd, mit Sattel und so). Und schon geht es los, über Stock und Stein, als erstes durch einen Bach, und auch der Rest des Wegs ist steinig, glitschig, und nicht einfach. (sagen auch Leute, die reiten können). Wie geht das alles? Werdet Ihr Euch fragen. also zugegeben, jedes Pferd hat sein Herrchen oder Frauchen mitgebracht, die immer nebenher laufen, das Pferd führen oder zumindest kommandieren, und auch sonst alles für den Reiter tun, z.B. fotografieren oder vor tiefhängenden Ästen warnen. 
Oberhalb des Wasserfalls angekommen, dürfen wir absteigen, und 250 glitschige Stufen zum Wasserfall abwärts gehen. Auch hier käme der Führer mit, das Pferd allerdings nicht. Ich verzichte auf das Abenteuer mit den ungewohnten Gummistiefeln, woraufhin Momo, so heißt er, mit mir durch das Dickicht schleicht zu einer Stelle, wo man den Wasserfall von oben fotografieren kann. Dann holt er schon wieder dieses Pferd, Mephisto hieß es, und bringt mich ersatzweise zum sogenannten kleinen Wasserfall, den man vom Pferd aus fotografieren kann, wenn man nicht vorher runterfällt, aber es geht alles gut. Ich glaube, reiten ist nicht meins. Als ich wieder festen Boden unter den Füßen habe, beschließe ich, zukünftig keine Actionfilme mehr zu drehen. Nächstes Jahr mache ich lieber einmal etwas intellektuell-seriöses, zum Beispiel "Torte im Glacier-Express".
Nach den nächsten beiden Cuba libre karrt man uns in wilder Jagd zur Hauptstadt Samana, wo sie im Hafengebiet wunderschöne bunte Häuser haben, und wir dürfen auf ein Motorboot umsteigen. Das bringt uns unter lautstarkem Absingen von Merenguehits ein Stück die Küste entlang, bis zum Mittagessen in einem "Gäste-ohne-Wände"-Restaurant. (klingt fast wie ein Hilfsprojekt). Geschmeckt hat es nicht, aber sie haben eine ganz süße Katze. Mit ihrem Dominikanischen Temperament kommt sie aber erst zum betteln, als schon alles abgetragen war. Ist vielleicht auch besser so.
Das Motorboot bringt uns jetzt zum ausgelobten Höhepunkt des Ausflugs: der sogenannten Bacardi-Insel (seit den legendären Bacardi-Werbespots der späten 80er, die in der Karibik spielen, gibt's diese Inseln überall. Aber die echte liegt weder in der Karibik, noch im Roten Meer).
Und was soll ich Euch sagen: Es ist wie überall, Strand, wie am Hotel, nur mit Müll und auch Glasscherben, viele kaputte Liegestühle, und die Getränke kosten extra. Für mich war der interessanteste Anblick das Hotel Gran Bahia Princip, in dem vor ein paar Jahren eine Folge der ARD-Serie "Traumhotel" gedreht wurde. Leider dürfte ich nicht rein. Die Security hat mich zu dem vorgenannten Strand geschickt...



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