Also: Ein kleiner blauer Bus holt am frühen Nachmittag die angemeldete Gruppe von Verschwörern ab und bringt sie in ein entlegenes, ziehmlich geheimes Camp.
Dort wird man nach einer freundlichen Begrüßung von einem Diener auf sandigen Pfaden zu einem halbrunden, mit Bäumen umwachsenen Platz geführt mit einem großen, sehr ungewöhnlichen Tisch in der Mitte. Ist das etwa ein ritueller Opferplatz? Plötzlich ertönt geheimnisvolle Musik, und es erscheinen drei dunkle Männer. Aber nicht allein, sie haben etwas mitgebracht: einen weißen Kakadu, drei rote und einen blauen Ara, sowie einen Grünpapagei. Die Musik bricht ab. was geschieht jetzt nur?
Naja, sie zeigen eine nette Papageienshow.
Weiter führt uns der Diener, noch tiefer in den Wald hinein, bis zu einem Wasserbecken. Dort sitzt in aufreizender Pose die Dame Alma, die uns als die treueste Mitarbeiterin dieses seltsamen Etablissements vorgestellt wird. Sie ist dunkel wie viele Dominikanerinnen, nicht ganz schlank, aber hübsch. Sie arbeitet als Einlaßkontrolle für den nächsten Teil der Zeremonie. Wer weiter möchte, muß sich mit ihr fotografieren lassen. Dabei küsst sie einen auf die Wange. Das ist sehr angenehm, bis auf den leicht fischigen Mundgeruch.
Als auch diese Prüfung bestanden ist, teilt sich das Unterholz, und wir werden von dem Diener zu einer großen Hütte geführt, von der aus man in der Ferne das Meer rauschen hört. Wer jetzt noch weiter will, muß alles von sich geben - nein, nicht so - sondern Uhren, Brillen, Ketten, Ohrringe, Nasenpiercings, Goldzähne (ok, das letzte ist erfunden), und sich all seiner Kleider entledigen (bis auf die Badehose). Dann bekommt man eine enge Weste angelegt, und wird in einen Warteraum geführt. Auf einem Flatscreen, wahres Teufelswerk, wird nun enthüllt, was einem blüht. Also mir nicht, weil ich die spanischen Texte nicht verstehe und weder die Bilder noch die englischen Untertitel erkennen kann. Wenige Minuten später erscheint wieder ein Diener, der durch einfaches Abzählen über unser weiteres Schicksal entscheidet.
Jetzt sind wir nur noch sechs.
Wir folgen dem Diener Richtung Meer, über schier endlos lange Holzstege, ohne Geländer, immer weiter hinaus auf das Meer. Zurück können wir nicht mehr, denn uns folgen dicht aufgeschlossen, zwei unheimliche, schwarz gekleidete - Kameraleute. Der eine hat sich sein Opfer wohl schon ausgesucht, denn er scheint sehr interessiert an der hübschen Russin in unserer kleinen Gruppe.
Dann haben wir das Ende unseres Wegs erreicht. Eine junge, rothaarige Hexe befiehlt uns, in das größte aller Becken zu steigen. Immerhin gibt es eine Treppe. Kaum sind wir alle im Wasser, und halten uns notdürftig am Rand fest, sind sie da: Doris und Venus. Sie tauchen direkt vor uns auf, richten ihre großen grauen Köpfe auf uns, öffnen ihre riesigen Mäuler voller scharfer Zähne und - kichern uns an. In der nächsten halben Stunde haben wir viel zu tun: Küßchen, Tanz, Singen. Dann müssen wir uns zu zweit auf das Wasser legen und aneinander festhalten, damit Doris und Venus mit uns Karussell fahren und anschließend drüber springen können. Und jetzt wird es hart: auf den Bauch legen mit seitlich ausgestreckten Armen, und sobald etwas da ist, festhalten. Das etwas sind die Rückenflossen, und man glaubt gar nicht, wie schnell man mit dem passenden Antrieb durch das Wasser pflügen kann. Oder oben drüber, denn so haben wir den Stunt aus dem Rätsel gemacht: Auf das Wasser legen, Arme nach vorn, Beine durchdrücken, breit machen, und dann viel Vertrauen in die Mädels: schon hebt man sich aus dem Wasser, ob man will oder nicht, mit der Kraft von zwei DS (= Delphinschwanzstärken). Zum Ende gibt es noch Wissenswertes, z.B. wie sieht ein Delphinmädchen von unten aus (praktisch), wie ein Junge (theoretisch), daß sich die Hautoberfläche alle zwei Stunden erneuert, die Rückenflosse aus Knorpel besteht und es weltweit keine zwei gleichen gibt, daß die Seitenflossen so viele Knochen haben wie unsere Hände, und wie fühlt sich die Haut eigentlich an. Sie fühlt sich an wie eine nasse Aubergine, die unter Strom steht, denn sie vibriert ständig.
Offenbar haben wir Gnade vor der Hexe gefunden, denn sie erlaubt uns, das Becken nun zu verlassen.
Als wir wieder halbwegs trocken sind, müssen wir noch einmal an das Wasserbecken von vorhin. Der große schwarze Eduardo zeigt uns, wie er seinen Menschen dressiert und gemeinsam mit ihm eine Show eingeübt hat. Danach sind dann auch schon Fotos und Video fertig, und werden zu diabolischen Preisen angeboten. Als jeder gekauft hat, führt uns der Diener wieder aus dem Dschungel heraus, und verabschiedet uns mit heftigem Blitz und Donner.
Was für ein Tag!

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen