Mittwoch, 6. Juli 2016

Abenteuer - 6. Juli 2016



Ich komme also gestern an - hinter der Betonwand ist tatsächlich das gebuchte Hotel - und werde sehr freundlich und in gutem deutsch empfangen. Das freundliche ist auch dringend nötig, denn es gibt ein Problem mit dem Zimmer. Sie haben nämlich keins, zumindest nicht meins, sondern nur ein Familienzimmer, (was man mir als besonders schön anpreist), und das brauchen sie morgen wieder, aber da wäre dann meins frei. Alternativen: keine, es ist nämlich Hochsaison (wenn ich das gewusst hätte, ich hatte doch etwas ruhiges gesucht). 
Also gut. Das Zimmer liegt im ersten Stock, hat einen schönen Blick auf das andere Hotelgebäude (ungefähr so nahe, als wenn zwei Kreuzfahrtschiffe auf den beiden Seiten des selben Anlegers festgemacht hätten, also 10-15 Meter, weshalb man seinen Gegenüber-Nachbarn prima in die Fenster gucken kann). Ansonsten besticht das 30-qm-Zimmer (für vier Leute!) mit dem 80er-Jahre-chic, der sich durch das ganze Hotel zieht. Daran ändern auch der Flatscreen und das renovierte Bad nichts, insbesondere weil es zur ansonsten modernen, schneeweißen Einrichtung dort eine beige-gelbliche Wandbetätigung der Toilettenspülung gibt, und die ist noch original alt. 
Ansonsten kann sich die Familie morgen noch freuen auf: eine nicht funktionierende Klimaanlage (zum Glück gibt es zwei), durchlöcherte Lichtschutzvorhänge (blöd für Leute, die es ganz dunkel brauchen), im Bad einen , Seifenspender ohne Seife, daneben nicht passende Spenderseife ohne Spender, die man aber ohne den passenden Spender nicht raus bekommt, eine Badewanne mit undichtem Abfluss, ein wenig Schimmel in der Ecke und einen Wasserhahn, dem jemand die Chromschicht abgeschrubbt hat. Wenn das ein schönes Zimmer ist, dann bin ich mal auf meins gespannt...
Zurück im hier und jetzt. Nach einem kantinenmäßigen Abendessen und zwei durchschnittlichen Cocktails, die ich als einziger Gast der einzigen, aber gar nicht so häßlichen Bar hinter mir hatte, war ich gespannt auf die erste Nacht in einem (fest auf der Erde stehenden) Hotel seit Dezember 2014, das sind immerhin 18 Monate. Und ich habe gut geschlafen, wenngleich so eine leichte Wellenbewegung - ok, der Oktober ist ja nicht mehr weit.
Das Frühstück hatte zum Abendessen gepasst, aber der Kaffee ist durchaus trinkbar. 
Nun kommt die allgemeine Pflichtübung für Pauschaltouristen: Begrüßung durch den Reiseleiter, gepaart mit verzweifelten Versuchen, zum einen überteuerte Ausflüge zu verkaufen, und sich zum anderen um nichts zu kümmern. Das wird lustig, weil, ich bin ja der einzige Neuankömmling, wie schon erwähnt, und muß mich leider beschweren, wegen des Zimmers, und vor allem, weil ich bei nur sieben Tagen Aufenthalt noch einmal umziehen muß, jawohl!
Aber manchmal bietet das Leben auch Überraschungen. Violeta, die Reiseleiterin, ist nämlich schon über alles im Bild und bietet als Alternative zur offiziellen Beschwerde (bei der neben viel Schreibkram auf beiden Seiten oft nur ein sinnloser Reisegutschein mit unsagbar kurzer Gültigkeit heraus kommt) den Ausgleich auf kleinem Dienstweg an: ein Essen im Spezialitätenrestaurant, beispielsweise. Aber bei den vielen "Spezialitätenrestaurants", die ich in den verschiedensten Hotels weltweit schon ausprobiert habe, lag die "Klogriffrate" bei weit über 90%. Wir einigen uns auf eine Flasche einheimischen Rotwein, den kenne ich schon vom Herbst letzten Jahres. Ausflüge will ich auch keine, bin ja nicht zum Spaß hier, und was ich möchte, gibt es nicht. Violeta erklärt mir noch, wie ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren kann, und weg ist sie.
Ich suche mir im Garten einen Platz zum schreiben mit Aussicht auf das Meer und finde ihn. Schön, oder?



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