Information, das ist ja häufig ein Problem. Einige Tage vor meiner Abreise hatte ich das Hotel per email um ein paar Informationen gebeten bezüglich den ca.-Nebenkosten für Getränke, und ob die Mahlzeiten (Halbpension) vielleicht schon welche enthalten. Die Antwort - blieb leider aus.
Das mit dem falschen Zimmer in der ersten Nacht wisst Ihr ja schon, aber dass mir die Rezeptionistin noch vor dem Restaurant den Weg zum Fitness-Studio erklärt hat, finde ich schon dreist. Auch wenn es umsonst ist, denn das sind die hoteleigenen Badetücher für Pool und Strand auch. Wo es die gibt, weiß ich allerdings bis heute nicht. Aber es gibt sie, das habe ich gesehen.
Wenn man in der "Kantine" isst, kann man selbstverständlich auch etwas trinken. Vorausgesetzt, man kann die Aufmerksamkeit eines Kellners auf sich ziehen. Wenn man es dann noch schafft, an die Bestellung ganz schnell die Zimmernummer anzuhängen, bekommt man anschließend das Getränk und dazu eine Mappe mit zwei Kassenbons. Einen muß man abzeichnen, den anderen darf man behalten, zur Kontrolle. Wer macht denn so etwas? Na, ich. Sogar eine Numbers-Tabelle (für windoof-user: ist so etwas ähnliches wie Excel) habe ich dafür angelegt, und jede Ausgabe im Hotel wird eingetragen. Lohnt sich, doch davon später.
Gehen wir doch erst einmal aufs Zimmer, das richtige. Zunächst einmal: es ist zwar kleiner, etwa 18qm, so war es auch gebucht, und ich denke, den Balkom haben sie dabei mitgezählt, aber es ist in deutlich besserem Zustand als das alte, es gibt also nichts zu bemängeln, bis auf die lustlose Klimaanlage. Bin halt von den karibischen verwöhnt, die beim Anlauf immer versuchen, einen aus dem Zimmer zu blasen. Aber es gibt noch andere interessante Dinge in so einem Zimmer: eine Minibar, deren Verbräuche vom Hotel nicht akribisch festgehalten werden. Sonst würde dem Zimmermädchen früher auffallen, dass etwas nachgefüllt werden muß. So muß man an der Rezeption darauf aufmerksam machen.
Und dann gibt es immer diese Kunstledermappen, mit Prospekten, Briefpapier, und einem warmen "Herzlich willkommen"-Schreiben. Die Kunstledermappengibt es auch hier. Die ersten Seiten sind kyrillisch, ähneln den englischen und deutschen aber so sehr, dass ich identischen Inhalt einfach unterstelle.
Im wesentlichen gibt es zwei eng beschriebene und laminierte Seiten. Die erste trägt die Überschrift "Hausordnung" und beschäftigt sich über zwei Dutzend Punkten in harschem Ton damit, wie man sich zu benehmen hat: Ruhe und kein lautes Singen auf den Gängen, nach zweiundzwanziq Uhr nicht mehr niesen, und ja keine eigenen Getränke in die Minibar stellen. Und - gut dass die fünf Katzen, die auf der Anlage herumlaufen das nicht wissen - Tiere sind grundsätzlich verboten. Wahrscheinlich nur eigene, denn die Getänke des Hotels dürfen ja auch in der Minibar stehen.
Verboten - eines der am häufigsten wiederkehrenden Wörter in der Hausordnung. Aber es geht noch besser:
Über dem zweiten Blatt steht groß und deutlich "Preisliste", und es ist nicht die von der Minibar. Es ist allen Ernstes eine bepreist Inventaraufstellung, von Aschenbecher (im Nichtraucherzimmer, interessant, aber später habe ich entdeckt, daß auf dem Balkon einer steht) bis "Zuleitung Fernseher", einem Koaxkabel, das man nur mit Mühe findet. Da weiß man gleich, was es kostet, wenn man einen Stuhl in den Fernseher wirft. Aber mal nachgedacht - so was kenne ich von der Bundeswehr, und vielleicht manchen Jugendherbergen. Aber in einem Hotel - da fühlt man sich so richtig willkommen. Aber immerhin - informiert.
Verlassen wir das immerhin wirklich saubere Zimmer. Überhaupt - sauber ist hier alles, selbst die Matratzen. Obwohl es hier nicht die allgemein üblichen Auflagen zwischen Matratze und Bettlaken gibt.
Das Hotel bietet nur Halbpension an. Dass man trotzdem mittags à-la-carte essen kann, sagt einem keiner. Oder die Bar. Cocktails gibt es nur, wenn der einzige Barkeeper Dienst hat. Seine Kollegin kennt nicht einmal die Namen der Drinks, sondern serviert sie nur. Der Barkeeper macht übrigens sehr schöne Drinks. Kein Wunder, er hat das bei Celebrity Cruises gelernt, und vier Jahre auf einem amerikanischen Kreuzfahrtschiff gehen nicht spurlos an einem vorbei. Oder fast nicht, denn lächeln kann er bis heute nicht.
Ein kleiner Einschub, wir gehen mal in die "Kantine". Also, dass ist ein Raum von mindestens 150qm, gefliest, eine raumhohe Fensterwand, ein paar Säulen, mit viel Raum dazwischen gestellte Tische für zwei bis acht Leute, ein paar wenige Raumteiler und hinten links das L-förmige Buffett. Optisch kein Brüller. Wir beginnen rechts. Eine kleine Vitrine mit angemachten Salaten, danach ein Mehrfach-Gastronormbehälter aus Edelstahl mit einzelnen Salatkomponenten (diese Behälter benutzt man in der Küche, um die Zutaten griffbereit zu haben. Beim Gast haben sie nichts verloren). Dann kommt ein großer Teller mit verschiedenen Schinkensorten, das Ende des ersten L-Schenkels ist erreicht, jetzt reihen sich ein paar große aber technisch veraltete und teilweise nicht mehr wirklich funktionierende Warmhalteschalen aneinander. Erst Fisch, dann Kartoffelbrei oder Reis, dann Huhn, Gemüse, Rind oder Schwein, kann mal Burger sein, oder einmal gab es sogar Schnitzel Wiener Art. Und dann noch eine Kartoffelbeilage. Die Nachtischabteilung bietet abwechselnd kleine Kuchen und Eis, und immer den gleichen Obstsalat und frische Früchte. Und auch wenn es mal rohe Bratkartoffeln gibt, und öfter mal was kalt ist, was warm sein müsste, und auch, wenn das Auge zumeist nicht mit isst, und wenn man mal dekoriert, so richtig hausfrauenmäßig daneben haut (einen Hühnersalat präsentiert man nun einmal nicht auf einer Platte, die einen Fischschwanz hat): die Küchencrew hier macht alles selbst: Salat schnippeln, Katoffelbrei stampfen, Fisch filetieren, Schnitzel panieren und in der Pfanne braten (muß man bei der Generation Friteuse schon betonen), und auch der Obstsalat, bestehend aus Apfel, Pflaume, Pfirsich und Orange wird jeden Tag aus frischen montenegrinischem Obst selbst geschnitten. Als Alternative bieten sie das Obst noch im ganzen an (auch mal was zugekauftes: Banane) oder auch geschält und in Stücke geschnitten ( außer der Banane). Auch alle Fleischgerichte und das Gemüse sind einheimische Produkte, besondere Highlights: der dunkle rohe Schinken, ähnlich unserem Schwarzwälder, und ganz besonders das gebratene Gemüse, bestehens aus Zucchini, Paprika, Pilzen und Aubergine, kräftig gewürzt und früh wie abends angeboten, ist der absolute Hammer.
Aber eigentlich hatten wir das Thema Information. Stehen vor dem Kantinen-Restaurant die Öffnungszeiten noch in russisch, englisch und deutsch, fehlt das deutsch am Buffett, und an dem morgendlich aufgestellten Behälter mit verschiedenen Pfannkuchensoßen auch englisch. Wer braucht das schon.
Heute abend haben sie vor dem Restaurant einen Tisch voller (gefüllter) Sektgläser aufgestellt. Leider niemanden dazu, der den Gästen erklärt, dass sie aufs Haus gehen. So wurde diese nette Geste erst angenommen, als einer der Gäste sich neben den Tisch gestellt und die Leute zum Trinken eingeladen hat. Mit Handbewegungen, da braucht es keine Sprache.
Und zum Schluß noch ein ziehmlich gutes Beispiel für Informationen: das à-la-carte-Restaurant hat Speisekarten auf russisch, auf englisch und auf deutsch, und - sehr gute Idee - außen kleine Nationalflaggen aufgeklebt. Nicht schlimm, dass unsere Flagge auf einigen Karten auf dem Kopf steht. Nobody is perfect.
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