Dienstag, 14. Mai 2013

Ungeheuer

Früher Morgen, das Schiff schaukelt nicht mehr, ist aber ziemlich brummig. Nein, es hat keine schlechte Laune, die Töne kommen vom Heckstrahlruder, wir legen nämlich gerade an. Invergordon, ein kleines Industriestädtchen in Nordschottland, nimmt uns in Empfang, wodurch sich die Einwohnerzahl von ca. 3000 schlagartig verdoppelt, denn zählt man Passagiere und Mannschaft der Mein Schiff 1 zusammen, sind wir auch so viele. Der Weg zum Busparkplatz führt uns vorbei an einem einsamen Musiker, der die Dudelsackhitparade rauf und runter bläst, bis hin zu John, unserem Reiseleiter, der ein waschechter Highländer ist, standesgemäß mit Kilt, Kniestrümpfen und grimmigen Blick, ein ganzer, wilder Kerl Anfang sechzig. Daran ändert auch sein gutes Deutsch nichts. Er begleitet uns auf der rund einstündigen Fahrt nach Loch Ness, das man zwar tatsächlich so ausspricht, aber gar kein Loch ist, sondern der größte See Schottlands. "Loch" ist das gällische Wort für das innere Ende eines Fjordes, meist nach dem hineinfliesenden Fluß benannt, in diesem Fall heißt der Fluß eben "Ness". Again what learned... Die Landschaft auf dem Weg dorthin ist so abwechslungsreich wie das Wetter: alle paar Minuten etwas neues, wobei die Beliebtheit klar an die Landschaft geht. Das Wetter kann mit einstelligen Temperaturen und viel Feuchtigkeit nur mäßig punkten. Da erscheint es als weniger gute Idee, den See mit einem Schiff zu überqueren, um die Ruine von Schloß Urquart zu besuchen, aber das Wetter hat ein Einsehen: Sonne während der Überfahrt, was die Suche nach Nessie natürlich erleichtert.





Es gibt Sonne und Wolken während der Schloß(-Ruinen)Besichtigung, und Platzregen, während alle den Souvenirshop und die Cafeteria besuchen. Und so geht es weiter: gemischtes Wetter bei der Rückfahrt, und Sonne während dem ungeschützten Rückweg vom Busparkplatz zum Schiff, immerhin 600 m über einen weit in den Fjord hineingebauten Anleger. Am späten Nachmittag besucht eine schottische Volkstanz- und Gesangsgruppe das Schiff, und zeigt uns ausführlich ihr Können, leider nicht auf dem Pooldeck, wo viel mehr Leute hätten zusehen können. Aber die waren wohl ohnehin nicht da, denn als kurz vor 18.00 Uhr die Motoren angelassen werden und wir abfahren wollen, höre ich immer noch Dudelsackmusik. Draußen zeigt sich über die gesamte Länge des Anlegers eine Reihe von mindestens noch 200 Passagieren, die nicht an Bord können, weil unsere schottischen Besucher gerade im Takt ihrer langsamen Marschmusik gemessen und stilvoll das Schiff über die einzige Gangway verlassen. Und erst als die durch sind, können unsere Passagiere an Bord kommen und das Schiff losfahren. Vielleicht sollte man doch einmal den Mut zur Zweitgangway aufbringen...

1 Kommentar:

  1. Beim Schloß U war ich auch schon mal, es heißt mit vollem Namen Urquhart und spricht sich Öhrkjuhart oder so ähnlich. Das Ungeheuer im See führte auch damals schon ein recht verborgenes Leben.

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