Ein neuer Morgen, ein neues Land, eine neue Währung. Das wird jetzt meistens so sein.
Wir sind in Dublin, der Hauptstadt der Republik Irland (oder: von Südirland), und hier ist Euroland. Das heißt: der Inhalt des Geldbeutels muß komplett gewechselt werden. Habe ich gestern alles gemacht, und da ich für heute zwei Ausflüge gebucht habe, verlasse ich mich nicht auf meine innere Uhr (die wegen den langen Abenden in der TUI-Bar ohnehin schon nachgeht), sondern habe mein Handy gebeten, mich zu wecken, und zwar um 6:45 Uhr. Das macht es auch, unter dem Absingen fröhlicher Lieder. Ich wache auf, es ist schon hell, das Schiff macht Anlegegeräusche, alles klar. Morgentoilette, anziehen, kämmen, Uhr dran, los geht's. Voller Vorfreude auf das Frühstück trabe ich drei Etagen tiefer, und - stehe vor verschlossenen Türen. Seltsam, denke ich, die müssten doch schon auf haben. Ich sehe auf die Uhr und stelle entsetzt fest, daß es erst 6:20 ist. Wie konnte es nur so weit kommen? Das Handy steht auf deutsche Zeit, aber in GB sind wir eine Stunde zurück. Das Schiff dagegen war fast eine Stunde zu früh dran, und so hat es wieder zusammen gepasst. Und ich hätte so gerne noch eine Stunde geschlafen! Aber man muß aus allem das beste machen, und so habe ich einfach mehr Zeit für alles, zum Beispiel, um einen Blick vom Balkon zu werfen. Und siehe da, heute haben wir mit Steuerbord festgemacht, und da kommen auch schon anstatt einer schmalen zwei breite Gangways. Geht doch!
Als erstes steht eine Stadtrundfahrt durch Dublin (was die einheimischen genauso aussprechen: duublinn, nicht dabliin) auf dem Programm, die ist nett, die Stadt auch, aber irgendwie kann ich mich an keine wirklichen Highlights erinnern. Es ist ein bißchen wie Belfast: eine wunderschöne, prächtige, quirlige, moderne Stadt voller hübscher Mädchen, aber viele Straßen sind eindeutig zu klein geraten. Und so weichen wir im zweiten Teil des Ausflugs auf den Fluß aus und fahren einmal rauf und einmal runter, wo wir die gleichen Sehenswürdigkeiten gezeigt bekommen. Wieder im Bus, bildet den Schluß des Ausflugs ein Schwenk über die an der Küste gelegene "gute" Wohngegend von Dublin, wo schöne und teure Häuser stehen und manchmal auch Yachten liegen. Dadurch kommen wir zu spät zum Schiff zurück, kein Mittagessen, nur den Bus wechseln, und es geht weiter mit dem nächsten Ausflug.
Wahrscheinlich beneidet mich jetzt der eine oder andere Biertrinker, denn am Ziel steht die größte Brauerei der Welt, an der man den schönen Namen "Guinness" lesen kann. Aber vorher gibt es noch eine Stadtrundfahrt, genau die gleiche wie vormittags. Außer, daß jetzt alle Läden offen haben und mehr hübsche Mädchen auf den Straßen herumlaufen. Übrigens ist das mit den vielen rothaarigen Leuten in Irland ein Mythos. Ich habe fast gar keine gesehen, in Schottland dagegen waren sie deutlich häufiger als bei uns.
Und jetzt liegt es endlich vor uns: das Besucherzentrum der Guinnesbrauerei, 7 Stockwerke hoch und geformt wie ein Guinnessglas, allerdings als Stahlkonstruktion. In den ersten drei Etagen erfährt man alles über das Bier brauen, dann kann man einen großen Schluck "junges" Guinness verkosten, woraufhin man sich durch die "Logistikausstellung" mit Lastwagen und Schiffen arbeitet, durchquert zwei weitere Etagen mit Restaurants und Gastronomie, steigt noch ein paar Treppen hoch, und ist schließlich am Ziel der Wünsche: in der 7. Etage liegt die Kristallbar, kreisrund, Glaswände, Wahnsinnsblick auf Dublin (außer heute, es regnet ein bißchen), viele Leute, lautstarke Musik von Queen (nicht von der Queen), und in der Mitte eine riesige runde Theke, an der sich ein paar nette junge Leute einen Wolf Zapfen, um die Nachfrage zu befriedigen. Hier kann man einen Abschnitt seiner Eintrittskarte gegen eine Pint (das ist ungefähr eine Halbe) of Guinness eintauschen (sofern man volljährig ist) und genießen. Tolle Stimmung, alle sind gut drauf (obwohl sie sich gar nicht kennen), und als das Glas leer ist geht es zur Taschengeldvernichtung in den Souvemirshop. da gibt es T-Shirts, Schlüsselanhänger, Flaschenöffner, Unterhosen, Fußballtrikots, Golfbälle und was nicht alles. Ich selbst war natürlich standhaft, und so wollte der Kassierer nur etwas fünfzig Euro von mir...
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