Ein neuer Morgen, ein neues Land, eine neue Währung, eine neue Insel. Das ist schon wieder so. Wir liegen in Cobh, dem nach Sydney zweitgrößten Tiefseehafen der Welt. Von hier aus gingen vor hundert Jahren die letzten Passagiere an Bord der Titanic, bevor sie versuchte, den Atlantik zu überqueren. Aber so weit sind wir noch nicht, sondern wollen erst einmal von Bord. Schnell noch den auf Euro umgerüsteten, aber dann vergessenen Geldbeutel geholt, und ins Getümmel gestürzt, schließlich haben wir heute wieder mit Backbord angelegt. Aber hier sind sie schlau: sie haben eine schwimmende Pier, die natürlich nicht sehr hoch ist, und zwei Gangways an den unteren Türen erlaubt. Von dort führt eine bequeme, je nach Gezeitenstand unterschiedlich schiefe Ebene, und schon ist man an Land. Platz genug für viele Busse gibt es auch. Unsere Gruppe umfasst nur dreizehn Personen, dazu wieder ein Kinderbespaßungsmädchen zum übersetzen. Unser Bus scheint diesmal besonders klein zu sein, jedenfalls ist er nicht zu sehen. Dann erscheint Patrick, ein großer, kräftiger Haudegen im frühen Rentenalter, und los geht's. Ach so, der Ausflug geht zu Fuß. Da muß ich wohl etwas überlesen haben.
Wir bekommen den Hafen gezeigt, verschiedene Gedenksteine von irischen Volkshelden und anderen kleinen Katastrophen, ein Mahnmal an die Opfer des deutschen Angriffs auf die Lousitania, dann das ehemalige Terminal der White Star Line, durch das die Passagiere zur Titanic mussten, den im Originalzustand belassenen Anlegesteg (an dem niemals die Titanic lag, sondern nur ihre Zubringerboote) sowie das ehemalige Hauptquartier der Cunard Line, damals klein wie ein Hühnerstall, heute Betreiber z.B. der QM2.
Schön, das war's dann oder? Von wegen! "Up the hill!" Sagt Patrick, und hetzt uns eine lange, unebene Treppe hoch bis zur die Stadt überragenden Kathedrale. Wer noch aus den Augen gucken kann, genießt die Aussicht. Die anderen schnappen erst einmal nach Luft, denn immerhin kriegt unsere kleine Gruppe locker 700 Lebensjahre zusammen. Aber die Belohnung ist nicht mehr weit: als Abschluß der Tour winkt ein leckerer Irish Coffee, den Patrick persönlich serviert in einem Pub, das durchaus nicht renovierungsbedürftig ist. Hier hilft nur noch Abriß.
In den am Wegrand liegenden Souvenirgeschäften fette Beute machend, zieht die Gruppe schließlich zurück zum Schiff. Zum Glück ist der Weg nicht weit, denn es liegt ja praktisch mitten in der Stadt.
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