Ein neuer Morgen, ein neues Land, eine neue Währung, eine neue Insel. Heute ist das wieder so.
Es gibt Häfen, da bekommt man ein so großes Schiff wie unseres mit keinem Trick der Welt hinein oder zumindest nie mehr heraus. Um da trotzdem hineinzufahren, haben wir spezielle Beiboote, die Tender heißen und nichts mit den Kohlewagen alter Dampfloks zu tun haben. Sie wohnen zusammen mit den Rettungsbooten auf Deck 6, werden bei Bedarf hinunter gelassen, an unserem eigenen ausklappbaren Landungssteg festgemacht, mit Passagieren gefüllt, und dann in den zu kleinen Hafen gebracht. Das funktioniert allerdings nur bei einigermaßen ruhiger See.
Einer von diesen Häfen ist zum Beispiel der von Monaco. Hier war kürzlich unsere "kleine" Schwester Mein Schiff 2, die aber wegen dem Wellengang nach zwei Stunden wieder abdampfen musste. Ein anderer dieser Häfen ist St. Peter Port auf der Kanalinsel Guernsey, vor der wir heute liegen. Aber dabei bleibt es zum Glück nicht, denn das Meer ist ruhig, und die "Kleinschiffe" bringen uns an Land.
Dort erwartet uns ein Kleinbus, für etwas 20 Leute. Auch das Personal ist klein, Sue, die Fahrerin, macht gleichzeitig die Reiseleitung, und so beginnt die kleine Inselrundfahrt. An machen Stellen muß Sue ihren Bus zurücksetzen, wenn ein anderer kleiner Bus entgegen kommt. "Dies ist eine Hauptstraße" erklärt sie in ihrem lustigen Guernsey-Dialekt, "aber wir haben auch noch schmalere!"
Als erstes wird ein traditionsreiches Herrenhaus besichtigt, Sauzmarez Manor. Hier gibt es eine deutsche Reiseführerin, die sich dauernd dafür entschuldigt, daß das kleine Haus normalerweise nicht so große Gruppen bewältigen muß, sie würde uns einfach immer in zwei Zimmer gleichzeitig hineinlassen. Während dieser Erklärungen vor dem Haus hat sich ein Küken zu uns gesellt, das besonders - nein falsch geraten, es ist besonders groß, ungefähr wie ein junges Huhn, denn es hat Rebhuhneltern. Die laufen hier auf dem Grundstück frei herum, aber meistens hinter dem Haus, im Garten. Das Küken begleitet und nun, läuft ständig allen zwischen den Füßen herum, und hüpft dann die Freitreppe ins Haus hoch, und besichtigt mit uns gemeinsam die teuren Wandteppiche. Aber bevor es sich auf dem wertvollen Boden verewigen kann, greift es einer der Mitreisenden und setzt es vorsichtig vor die Tür. "Merkwürdig!" Sagt die Reiseführerin, "das erlebe ich um ersten Mal. Die gehen sonst nie ins Haus, wirklich!".
An diese Worte erinnere ich mich, als ich bei der Erklärung des zehnten Zimmers gelangweilt aus dem Fenster in den Hof sehe, wo der Wirt des dazugehörigen Cafés gerade so ein Küken aus der Küche jagt.
Später zeigt man uns eine kleine Kapelle, nie nur mit Schwierigkeiten gesegnet werden konnte, weil der Pfarrer nicht durch die Tür passte, eine kleine Kuhherde mit nur fünf Tieren und einen Souvenirshop mit einem kleinen aber feinen Angebot sowie einem Willkommensschild für die Besucher vom Schiff. Man muß nur mit dem Wechselgeld aufpassen, denn Guernsey-Pfund kriegt man nirgends sonst wieder los.
Dann ist die kleine Inselrundfahrt auch bald zuende, und Sue entschuldigt sich, daß sie so kurz war. Aber was will man machen, auf einer Insel mit zwei Bergen? Mein Fazit: freundlich und sehenswert, aber für den Nachmittag kann man sich gerne etwas anderes vornehmen.
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