Hier war ich schon ein paar mal. Es ist immer dasselbe: Man fährt vom Atlantik aus in den riesigen Fluß Tejo ein, unterquert die gigantische Hängebrücke Ponte 25 de Abril, und legt dann auf der linken Seite an, von wo aus die Innenstadt fußläufig ganz gut erreichbar ist. Beim erstenmal hatte ich eine Kabine rechts hinten und einen hervorragenden Blick auf die Innenstadt. Warum? Ganz einfach: das Schiff hatte vorher gedreht, und mit der Steuerbordseite angelegt.
Bei meinem zweiten Besuch hatte ich eine Kabine links vorne, aber nach dem Anlegen trotzdem die gleiche Aussicht. Ihr erratet es: das Schiff hatte nicht gedreht. Aber auch heute, wo ich rechts vorne wohne, habe ich genau die gleiche Aussicht. Diesmal liegt das Schiff wieder mit der Steuerbordseite an, und die Portugiesen hatten in den letzten Jahren das cruise terminal umgebaut und dabei etwas verschoben. Ich fürchte, das alles hat jetzt aber niemanden wirklich interessiert und komme zum Tagesgeschehen.
Mein heutiges Thema lautet shopping und aushäusig (eigentlich ausschiffig) Mittag essen. Erste Station: ein Spezialgeschäft für Lego-Raritäten zu niedrigen Preisen. Es ist nur zwei Kilometer weg, der Weg scheint einfach und das Ziel lohnend. Unterstützt von Mr. Google, der glaubt, dass das Ziel in 30 Minuten erreichbar ist, mache ich mich auf den Weg. Nun ist es so, dass man Lissabon genau wie Rom, Teheran, Edinburgh, Mekka und San Francisco auf sieben Hügeln gebaut hat - warum auch immer, es bringt nur Nachteile - und der Weg ordentlich aufwärts geht. Das Navi schickt mich abwechselnd steile Gassen und krumme Treppen aufwärts, manchmal auch krumme Treppen und steile Gassen. Es ist ein warmer, sonniger Vormittag, und als ich nach vierzig Minuten gerade mal ein knappes Drittel der Strecke geschafft habe, beschließe ich, dass meine Gemsenskills für diese Tour leider nicht ausreichen. Was nun? Der eigentliche Höhepunkt meines Aufenthalts in Lissabon lockt: das Hard Rock Cafe. Dummerweise liegt das auf einem ganz anderen Hügel, und dazwischen wurde nicht aufgeschüttet. Von Bergtouren habe ich für heute und auch für den Rest der Reise genug, und so probiere ich etwas, das mir weder in New York noch in Barcelona noch irgendwo sonst auf der Welt in meinem ganzen Leben jemals gelungen ist: ich stelle mich an den Straßenrand und versuche ein Taxi zu stoppen. Und hier wendet sich das Blatt: unglaublicherweise hält bereits nach wenigen Sekunden eins und nimmt mich mit. Der Straßenverkehr in Lissabon ist in etwa so chaotisch wie der in München, nur mit deutlich mehr Achterbahncharakter, wegen dem vielen auf und ab. Die Fahrt dauert eine ganze Weile, ist aber sehr günstig. Alternativ gibt es hier auch die aus Asien bekannten, besonders bei den Touristen beliebten Tuk-Tuks, die ihren Namen wohl von den tuckernden Zweitakt-Motoren bekommen haben. In Lissabon allerdings fahren sie elektrisch, und müssten daher wohl eher Sum-Sums heißen.
Zwischenzeitlich ist das Hard Rock Café erreicht.
Hier finde ich mit Mühe zwei T-Shirts, die sowohl mir als auch noch in meine Sammlung passen. Schade, ich hatte mit mehr Auswahl gerechnet. Das Restaurant hat auch noch nicht auf, und ich verschiebe den Genuß eines legendary burgers, den esse ich immer im HRC, auf Hamburg, denn da wartet kein Schiff voller kostenloser Restaurants auf mich. Wobei das auch nicht immer gut sein muss. Der Backfisch, den es heute im Gosch gibt, ist es jedenfalls nicht.
Abends treffe ich auf Harry & Sally, denen es gut geht, trotz des Seegangs der vergangenen Tage. Was eine neue Liebe doch so alles schafft!
Um Mitternacht fahren wir dann los. Eigentlich. Die Geschichte geht weiter. Morgen!
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