Die Nacht in der "Puppenstube" war ruhig und angenehm, das Bett für kleinere Menschen wie mich durchaus komfortabel, obwohl es Geräusche macht. Für Hochzeitsreisende also eher nicht zu empfehlen.
Das Frühstück wird in zwei Sitzungen serviert, und ich komme pünktlich zur zweiten, wie vereinbart. Blöde Idee. Das Buffet ist leer gefuttert, und bis es wieder einigermaßen aufgefüllt wird, vergehen eine Dreiviertelstunde und mein ohnehin nur geringer Appetit. Gut, dass mich Frühstück nicht wirklich interessiert. Ich ernähre mich also flüssig (nein, mit Kaffee!), checke aus, kriege diesmal ein Taxi und bin drei Stunden zu früh am Columbus Cruise Terminal, wo es kalt und maximal windig ist. An der stürmischsten Stelle steht eine sehr lange Reihe von kleinen Gepäckcontainern, und schon bin ich meinen Koffer los. Ich kämpfe mich gegen den Wind bis zum Gebäudeeingang des Cruiseterminals, und habe den Eingang gerade so erreicht, als sich ein Bär von einem Mann in den Weg schiebt, und mit grollender Stimme die mehr als dumme Frage stellt: „Wo wollen Sie denn hin?“. „Auf’s Schiff!“ gebe ich völlig ausreichend Auskunft, denn es ist nur eins da, und dessen Namen trägt der Mann aufgestickt auf seiner Jacke. Ich weiß, dass ich erst ab 13.00 Uhr an Bord darf und würde mich ja auch in die Wartehalle setzen und warten. Aber da gibt es keine Sitzplätze, und ich habe keinen „Early-Check-In“, der mir sofortigen Zugangs zum Schiff mit allen Annehmlichkeiten (ausgenommen der Kabine) ermöglichen würde. Gäste der Suiten haben das im Preis schon drin, aber ich hätte es bei Interessen dazu buchen müssen, für 35€, was auch jetzt noch geht. Ich denke nicht lange nach: Gestern habe ich 25€ gespart, weil ich kein Taxi bekommen habe, bleiben 10€, alles klar. Ich checke ein - beim Zugang für Suitengäste, es gibt noch keinen anderen, der offen hätte, bringe eine längere Wanderung hinter mich durch die unendlichen Hallen des Cruisecenters und auch dahinter, werde für die letzten 500m Meter bis zum Schiff aus Gründen der Gefahr am Pier in einen Bus genötigt, und dann betrete ich zum ersten Mal die MeinSchiff 3, die für die kommenden vier Wochen mein Zuhause sein wird. Also fast, genau gesagt sind es 27 Nächte, was die Sache kaum kürzer macht.
Ich lasse mir ein gehaltvolles Spätstück schmecken, und mache es mir auf dem Pooldeck gemütlich. Den ganzen großen Pool könnte ich für mich haben, hätte ich die Badehose im Handgepäck und - besser noch - wäre das Wetter gnädiger. Aber lesen, in einer windgeschützten Ecke, unter einem Glasdach und mit Jacke an, das geht gerade so. 14.30 Uhr Seenotübung, also, das kurze, informative Treffen, das man heute darunter versteht, dann ist auch die Kabine fertig und sogar mein Koffer schon da, einer von 7.000 (!) die heute an Bord gehen. 7.000 Koffer für 2.300 Passagiere? Eine interessante Zahl, denn das sind durchschnittlich etwa 3 Koffer pro Passagier. Und ich bin sicher, dass alle Gäste, die ich bisher gesehen habe, nur zwei Hände hatten. Auf jeden Fall haben die armen Menschen hier an Bord (ich meine jetzt die Crew, auch alle mit nur zwei Händen) sehr viel damit zu tun, denn auch weit nach dem Abendessen, als ich auf dem Weg ins Bett bin, sehe ich noch einzelne Stewards, die erschöpft letzte Koffer vor die dazugehörigen Kabinen zerren.
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