Es ist 9:00 Uhr morgens, ich habe gut gefrühstückt, und mache mich frohen Mutes auf die Suche nach einem Liegestuhl am Strand. Um es kurz zu machen - heute gibt es nicht einmal mehr einen durchgelegenen. OK, ich habe noch andere Dinge auf der Agenda. Ein Internetzugang wäre z.B. nicht schlecht, den gibt es in einer gemütlichen kleinen Cafébar gleich hinter der Lobby. Weil beim Internetmann eine Schlange steht, lasse ich mich mit einem leckeren Milchkaffee in einem ca. 20 Jahre alten, abgewetzten und komplett durchgesessenen, aber wenigstens freien Sessel nieder. Mit Mühe kann ich mich daraus befreien, probiere einen anderen, und - Ihr ahnt es schon - der ist auch nicht besser. Wahrscheinlich sind auch deswegen fast alle frei, oder, weil die Leute in der Schlange stehen. Die ist irgendwann weg, und ich erfahre die Tarife: 5$ die Stunde, wenn man einen der Computer im Café benutzt, 5$ für WLAN am Tag, wenn man selbst einen dabei hat. Und das funktioniert fast überall, sogar auf dem Zimmer. Sehr angenehm! Weniger angenehmes steht jetzt gleich meinem Reiseleiter bevor, denn ich habe einiges, um das er sich kümmern sollte.
Einer seiner ersten Sätze ist, daß es nur ganz wenige Beschwerden gibt in diesem Hotel. Na, wer's glaubt! Und bevor jemannd von Euch, nachdem er fertig gelesen hat glaubt, ich sei kleinlich: Diese Hotel sagt von sich, es sei ein Luxushotel, bei Holidaycheck hat es 4 1/2 Sterne, bei Thomas Cook 5 Herzen, was auch immer das sein soll. Da ist es nicht kleinlich, wenn man erwartet, daß täglich geputzt wird, und alles funktioniert, was man im Zimmer vorfindet, oder? Nach diesem Vorgeplänkel also zum Reiseleiter.
Meine Liste umfasst auch nur ganz unwesentliche Dinge: Das Zimmer hat eine Kaffeestation, aber es ist nichts zum umrühren da. Und wenn, wäre es nutzlos, weil die Kaffeemaschine nicht funktioniert. Und ich bin ein Kaffeejunkie. Das Zimmer hat eine Minibar, die - nein falsch geraten - zwar täglich aufgefüllt wird, aber im dazugehörigen Schrankfach findet man: einen Eiswürfelbehäter, 2 Untersetzer, aber: keine Trinkgläser. Das Zimmer hat einen DVD-Player, aber keine Fernbedienung dafür. Es hat einen Boden, der nachweislich seit Tagen nicht geputzt wurde. Die Dusche ist ziehmlich verkalkt, der WC-Papierhalter trägt eine monatealte Staubschicht, und der hölzerne Tissuespender ist mit irgendetwas weißen bekleckert. (das letztere habe ich nicht reklamiert und nicht beim RL erwähnt, ist aber wichtig für später). Außerdem - und das habe ich gezeigt, aber NICHT reklamiert - ist die Halterung vom Vergößerungsspiegel wohl auch schon zwanzig Jahre alt und entsprechend verrostet. Also - Luxus sieht ein bißchen anders aus, auch in der Dominikanischen Republik. Da habe ich meine Erfahrung. Der Reiseleiter geht mit mir zum Guest Service, dort wird umgehende Abhilfe versprochen. Ich bin gespannt. Und werde nicht enttäuscht. Als ich abends in mein Zimmer komme, ist doch tatsächlich - augenscheinlich nichts erledigt von all meinen Reklamationen, noch nicht einmal die versprochen Flasche Rum steht da. Aber da entdecke ich doch einen winzigen Lichtblick: es ist jetzt was zum umrühren des Kaffees da. Aber kochen kann ich noch keinen, Ihr wisst schon, die Maschine. OK, der Reiseleiter ist nicht mehr, also gehe ich zum Guest Service. Da ist inzwischen ein anderer Kollege, der mich nach dem durchlesen der Reklamation von heute vormittag darum bittet, das Zimmer in zehn Minuten besichtigen zu dürfen. Er erscheint noch etwas früher, zusammen mit der Hausdame und einer Oberputzfrau und einer Putzfrau, gibt seine Anweisungen, entschuldigt sich mindestens dreimal bei mir und geht wieder, während die Hausdame ihre Mädels herumscheucht, und möglichst unauffällig die bekannten neuralgischen "Staubfänger", wie Bilderrahmen und Lampenschirme mit einem stets schmutzig zurückkehrenden Finger untersucht. Als dann auch noch eine weitere Putzfrau mit Leiter und neuen Vorhängen auftaucht, wird es mir doch ein bißchen viel, und nachdem Kaffeemaschine, Gläser und Fernbedienung erledigt sind, bitte ich die Damen, morgen wieder zu kommen, was die Hausdame dann verspricht.
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