Mittwoch, 3. Dezember 2014

Dunkle Sonne

Pünktlich wie fast immer ereichen wir heute unseren letzten und neben La Romana nördlichsten Hafen. Wir sind auf der Insel St. Kitts, die zu den westindischen Inseln zählt (wer jetzt ins grübeln kommt: die westindischen Inseln liegen tatsächlich in der Karibik, für die irreführende Namensgebung bedanken wir uns bei Christoph Kolumbus). Während die fleißigen Decksarbeiter unser Schiff an der schmalen Pier festbinden und ich die Aussicht und den ersten Nespresso des Tages genieße, verdunkelt sich allmählich die Sonne. Aber kein Sturm zieht auf, es ist nur die Celebrity Eclipse, die neben uns festmacht. Was heißt nur, sie ist eine ganze Ecke länger, breiter und höher als wir. Und trägt dementsprechend mehr Passagiere. Da ich es nicht so gerne habe, wenn mir die Nachbarn von gegenüber aus weniger als zehn Meter Entfernung auf den Balkon sehen können, gehe ich erst einmal frühstücken, und denke mir: 5.000 Pasagiere auf einmal! Die Insel wird sich freuen!
Und die freut sich auch, zumindest die reichen Geschäftsleute dort. St. Kitts ist nämlich Freihandelszone, man kann hier steuerfrei einkaufen. Und so haben sich vor ein paar Jahren die (meist ausländischen) Geschäftsinhaber zusammen getan, die lange Pier bauen lassen, einen protzigen Eingangsbereich, und eine disneylandmäßige knallbunte Einkaufsstadt, wo es alles gibt, was nicht zu groß zum mitnehmen ist. Und damit niemand seine goldene Uhr geklaut kriegt, gibt es hier vielleicht mehr Überwachungskameras und Sicherheitsleute als in Monaco. Alle Läden locken mit Sonderangeboten, und manche auch mit Geschenken für Kreuzfahrer. Als ob hier auch andere Kunden her kämen. Aber auch wenn das shoppen hier richtig Spaß macht und ich froh bin, keine Kreditkarte bei mir zu haben - dem echten St. Kitts hat das alles nichts zu.
Das gibt es heute Nachmittag zu sehen, und zwar per Eisenbahn. Bahnstrecken sind auf karibischen Inseln eher selten, aber hier hat man bis 2005 Zuckerrohr angebaut und mittels einer Schmalspurbahn abtransportiert. Irgendjemand kam auf die Idee, daß man das mit den schnell nachwachsenden Touristen auch machen könnte, und schickt sie heute mit einer handvoll altmodisch aussehender, aber neu gebauter Doppelstockwaggons auf die Reise. Im oberen Stock sitzt man sozusagen im Freien, hat aber gegen die Sonne ein Dach darüber. Die untere Etage ist klimatisiert, hat riesige Panoramafenster, man sitzt in bequemen Rattanstühlen und hat nur wenige Mitreisende, weil die meisten oben sitzen wollen.
Während der Fahrt gibt es verschiedene Getränke (jeder Wagen hat eine kleine Bar und eine Toilette und zwei bis drei Mitarbeiter), einen traditionelle Kokoskeks, und ab und zu ein kerolisches Lied, von den Mitarbeitern jeweils zu dritt sehr schön vorgesungen.
Die deutschen Erklärungen zu dem ca. 30km langen Rundkurs entlang der Küste und kreuz und quer durch Berge, Täler, Dörfer, Wiesen und Felder liefert unser mitgebrachter Tourguide, die Kathi.
Und als ob das alles noch nicht genug wäre, gibt es jetzt noch eine spektakuläre Inselrundfahrt per Bus über die engen Straßen von St. Kitts, die ich über weite Strecken mitgefilmt habe. freut Euch auf den Film! Zum neugierig machen nur so viel: ich hatte den Beifahrersitz, und auf St. Kitts fährt man links!

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