Heute liegen die Dinge komplizierter. Der Notfall vor dem Theater ist ein alter Mann mit Herzinfarkt, und wir sind auf hoher See. Naja, eigentlich ist sie spiegelglatt, aber das macht die Sache - zumindest für einen Krankenwagen - nicht einfacher. Die erste Idee: ein Hubschrauber muß her. Puerto Rico ist in der Nähe, da gäbe es Skyhawk-Hubschrauber von der Küstenwache, das sind so richtig große Teile, was nicht so wichtig ist, weil wir ohnehin keinen Landeplatz haben, und den Patienten per Seilwinde und Rettungstrage hochschicken müssen. Platz braucht die Aktion trotzdem, und so ein Hubschrauber macht ordentlich Wind, wenn er über einem hängt. So wird das sehr beliebte vordere Sonnendeck unter dem Protest der dort liegenden geräumt und von allem befreit, was wegfliegen könnte, selbst das gerade angekündigte Barbecue wird wieder weg gefahrw. Vor den Zugängen zum Sonendeck stehen Offiziere, die niemanden mehr auf das Deck lassen sollen. Und jetzt komme ich an einen Punkt, den ich bisher vermieden habe zu erwähnen: das schlechte Benehmen mancher Mittouristen. Allseits bekannt an allen Stränden der Welt ist ja das Reservieren der Liegen mittels Handtüchern (des Hotels), und zwar immer zwei in der Sonne, zwei im Schatten, und zwei wo auch immer, was auch auf dem deutlich kleineren Schiff praktiziert wird (theoretisch 2.000 Leute auf etwa 20 x 30 Meter Pooldeck!). Das wurde dadurch vereinfacht, daß man sich auf dem Pooldeck so vielen Handtücher geben lassen konnte, wie man wollte. Schlaue Menschen haben deswegen die Handtuchkarte eingeführt, für die man nur ein einziges Handtuch bekommt. Allerdings - man kann sich so viele Handtuchkarten geben lassen, wie man möchte. Toller Effekt, oder? Aber ich schweife ab. Wir waren bei der Räumung des Sonnendecks angekommen. Das gibt es doch tatsächlich nicht wenige selbstsüchtige und strohdumme Exemplare, die hinter dem Rücken des aufpassenden Offiziers versuchen, jetzt auf das Sonnendeck zu steigen. Auf die Anweisung des Offiziers zurüvk zu kommen achten sie erst gar nicht, und wollen dann "nur mal schnell" vorsorglich eine Liege besetzen. zur Erinnerung: da ist ein Mensch in Lebensgefahr, wir warten auf den Hubschrauber, und diese...ohne Worte!
Inzwischen geht es dem alten Herrn wohl etwas besser, weswegen der Captain Plan B beschließt: wir bringen den Kranken selbst an Land. Dazu nimmt der Capatin mit einer extrem scharfen Rechtskurve, gemischt mit nahezu voller Fahrt, Kurs auf die Virgin Islands. Das Buffett wir wiedereröffnet, ebenso das obere Sonnendeck, wobei Die beiden Wachhabenden nur ein beherzter Sprung zur Seite vor der Stampede der oben genannten Uneinsichtigen rettet.
Nach gut zwei Stunden fast voller Fahrt (das haben wir noch nie gemacht, also, wenn ich dabei war) überraschen wir die Bewohner von Frederiksted mit unserem Erscheinen, und enttäuschen sie gleich wieder, weil wir nicht neben der dort liegenden Jewel of the Seas festmachen und viele kaufwillige Touristen Touristen ausspucken, sondern nur eines unserer Beiboote schicken, dessen "Inhalt" (Patient, Frau, Arzt, Schwester, Skipper, mindestens drei Matrosen) weder Lust noch Zeit zum shoppen haben.
Nach einer halben Stunde ist der Tender zurück, und wir fahren schnellstmöglich weiter. Nachdem unser schon etwas ältliche Captain für die Seekartenverlosung - das größte gesellschaftliche Ereignis, das er zu bewältigen hat - seinen Vertreter schickt, fragt mich ein Kreuzfahrneuling: "du warst doch schon öfter hier. Ist das immer so aufregend?" Nein, so habe ich es auch noch nicht erlebt. Und es geht noch weiter: vor ca. 1 Woche wurde sogar ein randalierender Passagier über Bord - nein, das wäre übertrieben - am nächsten Tag des Schiffes verwiesen. Tatsache! Und da sag nochmal einer, kreuzfahren sei lamgweilig!
Ein letzter, wirklich cooler Abend mit den Shipping Wizzards folgt, und dann sind wir wieder in La Romana.
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