Es hatte nicht geregnet, und die Nacht mitsamt ihrer langsamen und sehr, sehr warmen (Rück-)Fahrt nach Martinique verging ereignislos, bis ich mich eine Männerstimme mit den Worten "Oh entschuldigung" weckt. Wie kann der Roomboy es wagen...? Tut er auch gar nicht. Der Mann steht auf meinem Balkon und räumt die Stühle beseite. Dann öffnet er die Trennwand und macht das gleiche auf dem nächsten Balkon, dessen Bewohner er aber nicht aus dem Schlaf reißt, zumindest höre ich keine Entschuldigung. Ehe auch noch das Putzgeschwader auftaucht, schließe ich die Balkontür und die Vorhänge, mache mir ein Täßchen Nespresso und studiere im Licht meiner Nachttischlampe das Tagesprogramm. Tatsächlich, heute Reinigungsarbeiten auf den Steuerbordbalkons, Deck 8 und 9, von 8.00 bis 12.30 Uhr. Und was wollen die jetzt schon? Immer diese deutsche Überpünktlichkeit. Bei der Seenotübung stehen auch schon immer alle da, bevor die Sirene hupt. Ein bestätigender Blick auf die Uhr sagt mir - oh, 10.00 Uhr vorbei, ich nehme alles zurück, verzichte notgedrungen auf das Frühstück (weil es keins mehr gibt) und verlasse das Schiff, um möglichst schnell meine täglichen Einkäufe zu erledigen. Aber aus möglichst schnell wird nichts. Allein das Verlassen des Hafens dauert fast zehn Minuten zu Fuß in schwüler Hitze, was auch davon nicht einfacher wird, daß am Schiffsausgang zwei kreolische Schönheiten Stadtpläne verteilen.
Martinique gehört zu den französischen Antillen, ist Bestandteil von Frankreich und damit der EU, man glaubt es kaum. Die Bewohner sind nahezu komplett kreolisch und damit dunkelhäutig. Eine von ihnen steht jetzt gerade vor mir, gekleidet in die leuchtend rot-weiße Uniform der hiesigen Tourist Guides, und erzählt mir in gutem deutsch mit süßem französischen Akzent, wo ich zum einkaufen hin muß. Es ist ziehmlich weit, fast zwei Kilometer, aber es geht. Fast an jeder Ecke findet man diese rot-weißen Mädchen, die einem weiter helfen. Ein guter und freundlicher Service, den sich die Insel - oder zumindest die Stadt - hier leistet. Souvenirstände direkt am Hafen dagegen gibt es leider nicht. Und wären wir gestern gekommen, hätte niemand offen gehabt. 2000 potentielle Kunden? Ist doch egal. Aber ansonsten würde ich Martinique für einen Wiederbesuch durchaus empfehlen.
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