Es ist ein trister Novembermorgen wie jeder andere: feucht, kühl und grau. Aber das sieht man noch nicht, als mir der Wecker früh um fünf erzählt, wer alles bei Radio F arbeitet. Weil ich das gar nicht hören will, schlage ich ihn auf den Kopf und quäle mich aus dem Bett. Heute war doch irgendwas, bin ich am überlegen, und im Flur sehe ich es dann: anstatt meiner beiden haarigen Mitbewohnerinnen erwarten mich zwei prall gefüllte Gepäckstücke: Ein Koffer (nicht Sommer) in orange, und eine leuchtendblaue Umhängetasche. Ach ja, heute soll es ja in den Urlaub gehen. Cool. Aber 23 freie Tage? Wer soll das denn aushalten? Wird sicher nicht einfach, aber da muß ich jetzt durch.
Da meine Reise diesmal individuell zusammen gestellt wurde, habe ich anstatt eines einzigen, ordentlichen, kompletten, mit perforierten Seiten versehenes "Gutscheinheft" deren gleich drei, zuzüglich einer wilden Loseblattsammlung mit weiteren Buchungsbestätigungen.
Das erste lose Blatt möchte der Zugschaffner sehen, das zweite ist für den Condor-Mitarbeiter, der es aber gar nicht sehen will, sondern alle Daten aus der Nummer meines Reisepasses und seinem Computer zieht. (klassische Flugtickets gibt es wohl auch nicht mehr). Das dritte lose Blatt ist für den Mitarbeiter des Taxidienstes, der mich nach zehn Stunden kurzweiligem Flug die letzte halbe Stunde ins Hotel schaukelt.
Dort reißt man eine Seite aus dem "Thomas-Cook"-Heft und gibt mir dafür ein Zimmer für eine Nacht. Das kostet 47 Euro. Die Klimaanlage funktioniert nicht, das Restaurant ist überfüllt, und der Cuba Libre schmeckt leicht ölig, womit ich kein Salatöl meine. Ach ja, und das Bett ist durchgelegen. Aber egal, jetzt wissen wir wenigstens, warum es so bilig ist. Und nach 24 Stunden auf den Beinen könnte ich wahrscheinlich auch auf einer Parkbank schlafen.
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