Montag, 24. November 2014

Murmeltier, feuchtfröhlich

Pünktlich wie gewohnt ist das Schiff angekommen, das Wetter ist schön, die Häuser bunt, und alle gut gelaunt. Mir geht es gut, auch meinem Kopf, denn gestern habe ich sehr früh Feierabend gemacht. Dennoch - Bonaire hat eine fatale Ähnlichkeit mit Curaçao. Die Schwimmbrücke, die bunten Häuser, die schwimmenden Märkte, nichts fehlt. Sogar das maritime Museum ist da, ebenso die Ölbohrinsel. Und läge jetzt nicht die "Norwegian Pearl" auf unserem Anlegeplatz von gestern, das Murmeltier wäre perfekt.
Was war geschehen? Das wusste ich noch nicht, hatte mir aber vor dem Einschlafen überlegt, daß bei der eingeschlagenen Geschwindigkeit von 14 Knoten, einer Entfernung von 40 Seemeilen und einer angedachten Fahrzeit von 8 Stunden trotz Gegenwind locker eine zusätzliche Ehrenrunde um die Insel möglich sein müsste. Ich ahnte ja nicht, wie nahe ich an der Wahrheit dran war.
Inzwischen weiß ich es, und liege gar nicht so falsch, was den Kurs betrifft. Der Captain erzählt gerade, daß das elektronische Sicherheitssystem auf der Brücke eine Rückkehr nach Curaçao dringend empfohlen hat. Ein paar in sich widersprüchliche Erklärungen folgen, die keinen Sinn ergeben. Unser Captain ist ein alter Haudegen, aber lügen kann er nicht. Zudem hatte der diensthabende Offizier heute nacht den falschen Knopf gedrückt, und alle Passagiere haben den dreifachen "Bravo!"-Alarm gehört, auch diejenigen, die den Code verstehen und ihr Wissen auch gerne weitergeben. Damit wissen es jetzt alle: wir hatten einen Feueralarm, der wohl nicht dramatisch aber bedeutsamer als eine brennende Bratpfanne war. Inzwischen ist alles wieder in Ordnung, und heute morgen versuchen wir es noch einmal, gegen den Wind, Richtung Bonaire. Aus den angekündigten zwei Stunden Fahrt werden vier, und mal sehen, ob wir diesmal richtig angekommen sind.
Sind wir. Vor uns liegt eine kleine, feine Insel voller bunter Häuser, aber ohne Schwimm- und andere Brücken, und schon gänzlich ohne Containerhafen und Raffinerie. Die Betreiber der hübschen kleinen Marktstände freuen sich, daß wir da sind. Kein Wunder, sie warten ja auch schon den halben Tag auf uns. Auch die Nachmittagsausflüge starten planmäßig, nur die Vormittagsausflüge - so auch meiner - sind sprichwörtlich ins Wasser gefallen. Dachte ich jedenfalls, doch davon später. Das Schiff bleibt über Nacht auf Bonaire, und die allabendliche Tanzparty findet auf dem Pooldeck statt. Die Künstler (ein kubanisches Trio, ein Rock'n'Rollsänger aus dem Theaterensemble und die Schiffsband) spielen auf der dachlosen runden Bühne zwischen den Swimmingpools. Letztere allerdings nur ein paar Minuten, dann macht ein tropischer Regenschauer dem ganzen ein Ende. Bin mal gespannt, ob das empfindliche Equipment die Nässe ausgehalten hat. Nachdem die Band jetzt nichts mehr zu tun hat, wird in der Disco gemeinsam gefeiert, bis für Milan, Martina und Emilia die Stunde gekommen ist, wo sie als Mannschaftsmitglieder die Gästedisco verlassen müssen.

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