Greenock ist erreicht, unser zweiter schottischer Hafen. Nach einem schönen faulen Vormittag geht es wieder auf Tour, und zwar auf eine hochprozentige. Heute wird die Glengoyne-Whiskydestillerie besichtigt. Hier macht man seit über hundert Jahren guten schottischen Single Malt Whiskey, der nur aus gutem schottischen Hochlandgetreide hergestellt wird, traditionell, mit viel Zeit und Ruhe. Jedes Fass (es sind immer benutzte spanische Sherryfässer, wegen dem Aroma) bekommt bei Abfüllung einen Namen. Manche Leute kaufen ein ganzes frisches Faß, und besuchen es während der Reifezeit ab und zu. kein Witz! Die müssen auch ganz schön warten, denn der jüngste Whisky, den man hier bekommt, ist zehn Jahre alt. Da ist er noch ziemlich hell. Der Whiskey auf dem Bild unten ist bereits volljährig, deutlich dunkler, und voller im Geschmack. Es gibt auch noch viel ältere, aber nur für viel Geld. Preiswert ist er leider nicht, denn in Schottland beträgt die Alkoholsteuer sage und schreibe 80%.
Donnerstag, 16. Mai 2013
Mittwoch, 15. Mai 2013
Geburtstag
Heute hat das Schiff Geburtstag. Bestimmt ist es ganz aufgeregt, denn es schaukelt schon die ganze Nacht von links nach rechts, was durchaus unterstützend wirken kann, wenn man sich im Bett umdrehen möchte. Es ist aber etwas hinderlich, wenn man von einer Seite des Schiffs zur anderen geht, denn man hat immer drei Schritte bergauf und dann sofort zwei bergab, oder umgekehrt. Ein Schiff bewegt sich leider nicht so regelmäßig wie eine Schaukel, sondern so, wie die Wellen eben gerade kommen. Die meisten Leute stört es nicht, aber manche habe sich ein paar von den ausliegenden Spucktüten mitgenommen.
Aber zurück zum aktuellen Anlaß: die Mein Schiff 1 feiert heute ihren 4. Geburtstag, obwohl sie eigentlich schon 17 und im besten Teenageralter ist. Damals wurde Sie als "Celebrity Galaxy" gebaut und getauft, und war bei Indienststellung das größte Kreuzfahrtschiff der Welt. Dann hat man Sie 2009 umgebaut und neu getauft auf den Namen "Mein Schiff". Das feiern wir heute. Seit Ende 2010 heißt sie Mein Schiff 1, was wir aber nicht feiern. Das hatte nämlich nur kosmetische Gründe, weil sie eine jüngere Schwester bekommen hat, die Mein Schiff 2. Oder vielleicht wiederbekommen hat, denn die jüngere hieß ursprünglich "Celebrity Mercury" und war auch da schon die jüngere Schwester. Es gibt auch noch ein "Sandwichkind", dessen Name mir aber entfallen und dessen Verbleib mir nicht bekannt ist.
Genug verwirrt? Dann zurück zu den Feierlichkeiten. Ich weiß nicht, was man einem Schiff schenken könnte, außer vielleicht Bewunderung oder Aufmerksamkeit. Die Crew hat ihm jedenfalls eine große Torte gebacken, der Capatain und die Taufpatin Ina Müller haben sie angeschnitten, und da Schiffe keine Torte essen, hat man sie an die Passagiere verteilt, und die Reste an die Crew. Einen Riesenauftrieb war das, mit mindestens 1000 Passagieren wo 500 hinpassen, ein Hauen, Treten und Kratzen um die besten Plätze, wo es gar keine guten gab, und nach 10 Minuten war alles vorbei. So richtig gut sehen konnte Ina, die selbst nicht die größte sein soll, wohl kaum jemand.
Abends das gleiche Bild: Für das Konzert um 21:30 stehen die ersten Leute schon zwei Stunden vorher Schlange, ein Hype wie bei einem Popstar. Von Siebzig- bis Achtzigjährigen habe ich das nicht erwartet. Mit dem sicheren Wissen, daß das Theater nur die Hälfte der Passagiere fasst, beschließe ich, mich nicht an der Schlacht der Stöcke und Rolatoren zu beteiligen, was am nächsten Tag prompt belohnt wird: auch wenn Ina das Schiff bereits verlassen hat, und ihr Pianist wohl schon schläft, gibt es mit dem Rest der Band gemeinsames Trinken und ein privates Foto:
Dienstag, 14. Mai 2013
Ungeheuer
Früher Morgen, das Schiff schaukelt nicht mehr, ist aber ziemlich brummig. Nein, es hat keine schlechte Laune, die Töne kommen vom Heckstrahlruder, wir legen nämlich gerade an. Invergordon, ein kleines Industriestädtchen in Nordschottland, nimmt uns in Empfang, wodurch sich die Einwohnerzahl von ca. 3000 schlagartig verdoppelt, denn zählt man Passagiere und Mannschaft der Mein Schiff 1 zusammen, sind wir auch so viele.
Der Weg zum Busparkplatz führt uns vorbei an einem einsamen Musiker, der die Dudelsackhitparade rauf und runter bläst, bis hin zu John, unserem Reiseleiter, der ein waschechter Highländer ist, standesgemäß mit Kilt, Kniestrümpfen und grimmigen Blick, ein ganzer, wilder Kerl Anfang sechzig. Daran ändert auch sein gutes Deutsch nichts.
Er begleitet uns auf der rund einstündigen Fahrt nach Loch Ness, das man zwar tatsächlich so ausspricht, aber gar kein Loch ist, sondern der größte See Schottlands. "Loch" ist das gällische Wort für das innere Ende eines Fjordes, meist nach dem hineinfliesenden Fluß benannt, in diesem Fall heißt der Fluß eben "Ness". Again what learned...
Die Landschaft auf dem Weg dorthin ist so abwechslungsreich wie das Wetter: alle paar Minuten etwas neues, wobei die Beliebtheit klar an die Landschaft geht. Das Wetter kann mit einstelligen Temperaturen und viel Feuchtigkeit nur mäßig punkten. Da erscheint es als weniger gute Idee, den See mit einem Schiff zu überqueren, um die Ruine von Schloß Urquart zu besuchen, aber das Wetter hat ein Einsehen: Sonne während der Überfahrt, was die Suche nach Nessie natürlich erleichtert.
Es gibt Sonne und Wolken während der Schloß(-Ruinen)Besichtigung, und Platzregen, während alle den Souvenirshop und die Cafeteria besuchen. Und so geht es weiter: gemischtes Wetter bei der Rückfahrt, und Sonne während dem ungeschützten Rückweg vom Busparkplatz zum Schiff, immerhin 600 m über einen weit in den Fjord hineingebauten Anleger.
Am späten Nachmittag besucht eine schottische Volkstanz- und Gesangsgruppe das Schiff, und zeigt uns ausführlich ihr Können, leider nicht auf dem Pooldeck, wo viel mehr Leute hätten zusehen können. Aber die waren wohl ohnehin nicht da, denn als kurz vor 18.00 Uhr die Motoren angelassen werden und wir abfahren wollen, höre ich immer noch Dudelsackmusik. Draußen zeigt sich über die gesamte Länge des Anlegers eine Reihe von mindestens noch 200 Passagieren, die nicht an Bord können, weil unsere schottischen Besucher gerade im Takt ihrer langsamen Marschmusik gemessen und stilvoll das Schiff über die einzige Gangway verlassen. Und erst als die durch sind, können unsere Passagiere an Bord kommen und das Schiff losfahren. Vielleicht sollte man doch einmal den Mut zur Zweitgangway aufbringen...
Begleitung
Heute ist Seetag. Das ist so ein Tag, wo man normalerweise früh aufsteht, den Vorhang öffnet, und das Meer sieht. Mehr aber auch nicht. Heute ist das anders. Wir haben ein Begleitschiff, das in mehr oder weniger respektvollem Abstand neben uns her fährt:
Keine geringere als die QM2 durchpflügt im hellen Sonnenschein das etwas aufgewühlte Meer. Im Augenblick fahren wir den gleichen Kurs. Dann habe ich einen Massagetermin. Die Masseurin fühlt sich nicht besonders. Als sie mich fragt, ob mir die Schiffsbewegungen etwas ausmachen, und ich das verneine, meint sie nur kleinlaut, ihr schon. Ich verkneife mir die Frage, warum sie dann auf einem Schiff arbeitet. Massieren kann sie jedenfalls. Wir haben herrlichen Sonnenschein, üppige 9 Grad Celsius und ein steife Brise. Die Offiziersbegrüßung wurde ins Theater verlegt, das Vormittagsbuffet ins Restaurant, und meine Lieblingsbar hat zu. Jetzt sieht niemand mehr, was der Pool für schöne Wellen macht, außer dem Koch an der Grilltheke. Und gerade haben sie überall Spuktüten aufgehängt. Ich weiß auch nicht, warum. Obwohl, geradeaus gehen kann man auf dem Schiff inzwischen nicht mehr. Alle laufen in Schlangenlinien, auch die Nüchternen.
Sonntag, 12. Mai 2013
Von Schlangen und Paraden
Von Nürnberg nach Hamburg wollte ich nicht fliegen, denn mit dem Zug geht es, rechnet man die Extrazeiten für Check-In und Flughafentransfer dazu, genauso schnell. Außerdem ist die Bahn komfortabler, und bietet sogar Ruheabteile an. In so einem sitze ich, aber außer mir weiß es keiner. Eine Horde Niederbayern, alle schon schwer im Metallzeitalter (Silber im Haar, Gold in den Zähnen und Blei in den Knochen) unterhält in wechselnder Besetzung den ganzen Wagen. Vermutlich nicht absichtlich, aber mindestens einer von ihnen scheint für sein Hörgerät neue Batterien zu brauchen. Der Gießkannentenor seiner Ehefrau jedenfalls lässt darauf schließen. Als die Themen Krankheit, Nachbarn und mißratene Kinder genügend durchgehechelt sind, kommt es zu Reiseerlebnissen, erst die letzten drei Jahrzehnte, und dann die unmittelbare Zukunft. Ihr ahnt es schon? Genau, die Herrschaften bleiben mir die nächsten zwei Wochen erhalten. Aber das Schiff ist ja groß...
Groß ist auch die Schlange, an der man sich in Hamburg anstellen muß, um einen Platz in einem der Busse für die Weiterfahrt zum Hafen zu ergattern. Sie reicht über den halben Bahnhofsplatz, und ist im Gegensatz zu einem echten Reptil eher hinten bissig, wegen der Warterei. Aber die Busse kommen im Fünf-Minuten-Takt, und bald sind wir alle an Bord, rechtzeitig zum Finale des diesjährigen Hamburger Hafenfests, das mit der Ausfahrt dutzender Schiffe endet: große und kleine, lange und kurze, mit Motor, Dampf oder Segeln, alle voller winkender Menschen, und alle fahren laut tutend an uns vorbei. Doch dann tutet unsere Schiffssirene, und alle an Bord müssen zur Seenotrettungsübung. Als die vorbei ist, sollen wir sofort losgehen. Geht es aber nicht, denn die Parade läuft noch, und das beste kommt gerade: über 300m lang, der Rumpf in einem matten anthrazit, die Aufbauten weiß, der riesige Schornstein leuchtend rot, und als sie uns passiert, verdunkelt sich quasi die Sonne: die HMS Queen Mary 2 gibt sich die Ehre, voller winkender Leute, martialisch laut tutend, und - ganz unbritisch - mit etlichen deutschen Flaggen geschmückt, die auf den Balkons der Passagiere hängen.
Jetzt ist unsere Zeit gekommen. Die letzten Leinen werden gelöst, Sekt an die Passagiere verteilt, die Schiffshymne abgesungen, und sie beginnt: die Fahrt rund um Großbritannien.
Samstag, 11. Mai 2013
Abreise im Kopf...
Spaß beiseite - Leguan und Palmen sind zwar diesmal nicht angesagt, aber meine neue Reise scharrt sozusagen in den Startlöchern. Morgen früh geht es ab nach Hamburg, anschließend mit dem Schiff Richtung Norden, und dann zwei Tage lang geradeaus. Ich freue mich sehr, daß Ihr wieder dabei seid.
Bis bald
Euer
Captain Spareribs
Donnerstag, 1. November 2012
Das war's
Letzter Tag, letzte Filmaufnahmen am Strand, letzte Leute, die sich über den bekloppten "Selberfilmer" wundern, und das war es dann eigentlich auch schon. Besonders schwer fällt mir der Abschied nicht, ihr werdet es nicht glauben, aber ich freue mich auf kühlere Temperaturen.
Aber das dauert noch. Heute ist es wieder besonders heiß, und nach dem obligatorischen Platzregen kommt noch Schwüle dazu.
Um halb fünf heißt es dann "tschüß, Hotel - hallo Flughafen! Aber die Begeisterung dort wird gleich etwas gedämpft, weil der Flug zwei Stunden Verspätung hat. Geht aber noch, zumal die Sonne schon weg ist. Der Air-Berlin-Flug vorgestern war sage und schreibe fünf Stunden zu spät, und das bei der größten Hitze (nur um das besser beurteilen zu können: auch der Flughafen von Punta Cana wurde im "Restaurantstil" gebaut, hat keine Wände und folglich auch keine Klimaanlage. Das macht bei Hitze keinen Spaß!
Im Flugzeug, das dank Rückenwind über eine Stunde der Verspätung wieder aufholt, herrschen angemessene Temperaturen, so daß ich erst kurz vor der Landung seit fast drei Wochen das erste Mal wieder eine lange Hose anziehe. Immerhin - sie passt noch.
Der Zug nach Nürnberg fährt los, kaum daß ich eingestiegen bin, und ich bin in Versuchung, die kurze Hose wieder auszupacken. Die Temperierung wurde nämlich zum 1. November von sommerlicher Unterkühlung auf winterliche Überheizung umgestellt. Aber auch das geht vorbei, und damit endet meine Geschichte.
Vielen Dank, daß ihr so lange bei mir gewesen seid. Das nächste Mal schreibe ich Euch im Mai.
Euer
Captain Spareribs
Aber das dauert noch. Heute ist es wieder besonders heiß, und nach dem obligatorischen Platzregen kommt noch Schwüle dazu.
Um halb fünf heißt es dann "tschüß, Hotel - hallo Flughafen! Aber die Begeisterung dort wird gleich etwas gedämpft, weil der Flug zwei Stunden Verspätung hat. Geht aber noch, zumal die Sonne schon weg ist. Der Air-Berlin-Flug vorgestern war sage und schreibe fünf Stunden zu spät, und das bei der größten Hitze (nur um das besser beurteilen zu können: auch der Flughafen von Punta Cana wurde im "Restaurantstil" gebaut, hat keine Wände und folglich auch keine Klimaanlage. Das macht bei Hitze keinen Spaß!
Im Flugzeug, das dank Rückenwind über eine Stunde der Verspätung wieder aufholt, herrschen angemessene Temperaturen, so daß ich erst kurz vor der Landung seit fast drei Wochen das erste Mal wieder eine lange Hose anziehe. Immerhin - sie passt noch.
Der Zug nach Nürnberg fährt los, kaum daß ich eingestiegen bin, und ich bin in Versuchung, die kurze Hose wieder auszupacken. Die Temperierung wurde nämlich zum 1. November von sommerlicher Unterkühlung auf winterliche Überheizung umgestellt. Aber auch das geht vorbei, und damit endet meine Geschichte.
Vielen Dank, daß ihr so lange bei mir gewesen seid. Das nächste Mal schreibe ich Euch im Mai.
Euer
Captain Spareribs
Mittwoch, 31. Oktober 2012
Feiertag
Heute ist ein seltsamer Feiertag. "Hallo, Wien!" heißt er, oder so ähnlich. Dafür haben sie extra wochenlang nicht abgestaubt, und alle Spinnweben und alte Kürbisse aufgehoben. Das sieht aus, sage ich Euch. Im Vorgarten von der Rezeption haben wir jetzt sogar einen Friedhof, und alle fürchten sich vor dem Abend. Möglicherweise auch, weil gerade interne Hoteltester im Haus sind. Die haben vielleicht ein Timing!
Ich habe heute früh ein paar Szenen für meinen Film gedreht, aber vor dem RIU-Hotel, die haben so schöne Felsen.
Danach hatte ich ein Fotoshooting mit meiner alten Bekannten Esmeralda. Wer das ist? Nun, wenn ihr euch noch an die DVD-Hülle von "Mein Urlaub und ich" erinnern könnt, da sitzt sie auf meinem Kopf: ein junger, zarter, kleiner Grünkopf-Leguan, federleicht und schüchtern. Trotzdem hat sie aufgrund ihrer schnittigen Drachen-Optik viele Leute eher abgeschreckt. Heute ist sie erwachsen, und nicht in allen Richtungen gleich stark gewachsen, also nicht sehr viel länger, deutlich höher und viel breiter. Sehr viel schwerer ist sie seltsamerweise nicht geworden. Und mit ihrer Kuscheltieroptik ist sie nun der erklärte Star bei allen Kindern. Vergessen sind Ara und Äffchen. Sind die kleinen Mädchen früher noch manchmal davon gelaufen, stehen sie jetzt Schlange, um sich mit ihr fotografieren zu lassen. Da stören auch die langen Krallen nicht, mit denen sie sich gerne mal in Haare und Kleidung hängt. Da sieht man es mal wieder: eine Model-Figur ist nicht alles.
Gegen Mittag setzen sie den Halloween-Vorbereitungen noch eins drauf: wegen eines Stromausfals kann das Hauptrestaurant nicht öffnen, und die kann Rezeption die neuen Gäste nicht problemlos einchecken. Hoffentlich haben sie die Schlüsselkarten vorher programmiert, sonst müssen die armen Leute vor der Tür bleiben!
Jetzt wimmelt es im (einzig verbliebenen) Strandrestaurant natürlich von Gästen, aber auch von Köchen, Kellnern und Extraputzen, so daß man eigentlich gar nicht merkt, was im anderen Hotelteil für eine Ausnahmesituation herrscht. Wieder einmal kann ich die Flexibilität des Hotelpersonals nur bewundern.
Das Halloween-Programm dagegen ist eher dürftig: ein paar nette Kürbisschnitzereien, leicht gruselige Dekorationen im Speisesaal, und das war's dann schon. Halt - ab und zu kommen ein paar schwarz verkleidete Animateure, um die Gäste zu erschrecken. Aber nicht allzu sehr, denn viel heller sehen sie im "Normaletrieb" auch nicht aus.
Ich habe heute früh ein paar Szenen für meinen Film gedreht, aber vor dem RIU-Hotel, die haben so schöne Felsen.
Danach hatte ich ein Fotoshooting mit meiner alten Bekannten Esmeralda. Wer das ist? Nun, wenn ihr euch noch an die DVD-Hülle von "Mein Urlaub und ich" erinnern könnt, da sitzt sie auf meinem Kopf: ein junger, zarter, kleiner Grünkopf-Leguan, federleicht und schüchtern. Trotzdem hat sie aufgrund ihrer schnittigen Drachen-Optik viele Leute eher abgeschreckt. Heute ist sie erwachsen, und nicht in allen Richtungen gleich stark gewachsen, also nicht sehr viel länger, deutlich höher und viel breiter. Sehr viel schwerer ist sie seltsamerweise nicht geworden. Und mit ihrer Kuscheltieroptik ist sie nun der erklärte Star bei allen Kindern. Vergessen sind Ara und Äffchen. Sind die kleinen Mädchen früher noch manchmal davon gelaufen, stehen sie jetzt Schlange, um sich mit ihr fotografieren zu lassen. Da stören auch die langen Krallen nicht, mit denen sie sich gerne mal in Haare und Kleidung hängt. Da sieht man es mal wieder: eine Model-Figur ist nicht alles.
Gegen Mittag setzen sie den Halloween-Vorbereitungen noch eins drauf: wegen eines Stromausfals kann das Hauptrestaurant nicht öffnen, und die kann Rezeption die neuen Gäste nicht problemlos einchecken. Hoffentlich haben sie die Schlüsselkarten vorher programmiert, sonst müssen die armen Leute vor der Tür bleiben!
Jetzt wimmelt es im (einzig verbliebenen) Strandrestaurant natürlich von Gästen, aber auch von Köchen, Kellnern und Extraputzen, so daß man eigentlich gar nicht merkt, was im anderen Hotelteil für eine Ausnahmesituation herrscht. Wieder einmal kann ich die Flexibilität des Hotelpersonals nur bewundern.
Das Halloween-Programm dagegen ist eher dürftig: ein paar nette Kürbisschnitzereien, leicht gruselige Dekorationen im Speisesaal, und das war's dann schon. Halt - ab und zu kommen ein paar schwarz verkleidete Animateure, um die Gäste zu erschrecken. Aber nicht allzu sehr, denn viel heller sehen sie im "Normaletrieb" auch nicht aus.
Dienstag, 30. Oktober 2012
Gar nichts
Heute mache ich mal nichts, außer essen, trinken, ein paar harmlose Aufnahmen für meinen Film, etwas in den Wellen planschen (hallo Rainer, auch bei uns hängt jetzt wieder die rote Flagge, nur interessiert das keinen), und Wunden lecken. Vom gestrigen Ausflug tut mir irgendwie fast alles weh, und vom Reiten ganz besonders - na, ratet mal - falsch, es ist nicht das Körperteil mit zwei bis fünf Buchstaben. Die Sättel waren sehr bequem und gut gepolstert, manche der Damen saß sogar im kurzen Kleidchen drauf. Nein, die Hände sind es, vom krampfhaften Festhalten am Sattelknauf. Aber das geht auch vorbei, spätestens morgen.
Am Donnerstag geht es ja wieder heim, und weil ich nicht von mittags bis zum Abflug am Abend ohne Zimmer sein möchte, und dann mal vorsichtig gefragt habe, was ich für eine Verlängerung bis 18:00 Uhr drauf zahlen müsste, heißt es 80$. Das finde ich zu teuer, man schickt mich daraufhin zur Gästebetreuung, die hat mehr zu sagen. Wir einigen uns auf 17:00 Uhr und 0$ (ich habe keine Ziffer vergessen), aber nur, weil ich schon einmal da war. Da kann man nicht meckern, finde ich.
Am Donnerstag geht es ja wieder heim, und weil ich nicht von mittags bis zum Abflug am Abend ohne Zimmer sein möchte, und dann mal vorsichtig gefragt habe, was ich für eine Verlängerung bis 18:00 Uhr drauf zahlen müsste, heißt es 80$. Das finde ich zu teuer, man schickt mich daraufhin zur Gästebetreuung, die hat mehr zu sagen. Wir einigen uns auf 17:00 Uhr und 0$ (ich habe keine Ziffer vergessen), aber nur, weil ich schon einmal da war. Da kann man nicht meckern, finde ich.
Montag, 29. Oktober 2012
Abenteuer
Früh um sechs klingelt das Telefon. Es ist niemand dran, aber das hat seine Richtigkeit. Weckruf! Ein langer Tag mit ... - nein, Ihr seid nicht im falschen Beitrag, aber irgendwie fangen alle Ausflustage so an. Auch mit der leicht chaotischen Abholung im Hotel, weil ja immer alle zehn Busse gleichzeitig da ankommen, wo nur drei hinpassen. Aber dann, am nationalen Flughafen von Punta Cana, erwartet uns etwas Neues zwei Hühner davor (ok, sind auch Fluggeräte), und hinter dem Gate eine eigene Luftflotte der Dominikanischen Gesellschaft SAP (Namensähnlichkeiten mit anderen Unternehmen sind rein zufällig), bestehend aus drei Turboprop-Maschinen mit je 18 Sitzen (eigentlich 20, die Piloten müssen auch noch mit) und drangvoller Enge. Dafür kann jeder aus dem Fenster gucken, weil das Flugzeug so klein ist. Ansonsten ist nichts wie bei den großen, keine Sicherheitsbelehrung, kein Elektronikverbot, und außer "Ladies and Gentlemen", "Fasten your seatbelts" und "final destination" versteht man auch nichts. Die Propeller laufen hoch, und als die Turbos zugeschaltet werden, geht es richtig schwungvoll los. Die Räder werden eingeklappt, so sanft und leise wie ich das noch bei einer großen gehört habe. Es sind aber auch viel weniger.
Während dem ruhigen Flug von 25 Minuten (es kam uns allen länger vor) kann man den Piloten prima bei der Arbeit zusehen. Ich weiß jetzt zum Beispiel, wie man die Triebwerke ein- und ausschaltet. Kurz vor der Landung ertönt eine Alarmsirene, aber keine Angst, es sind nur die Räder, die wieder heraus kommen.
Auf dem Flughafen von Samana erwarten uns die heutigen Fremdenführer, ein paar Busse in Restaurantform (Sitze, Dach, Geländer, keine Wände), und der erste Cuba libre des Tages. Schon geht es los, in wilder Fahrt über Stock und Stein, mit auf Vollast laufender Bio-Klimaanlage. Mindestens ein Hut verlässt an diesem Tag seinen Besitzer auf Nimmerwiedersehen. Später, in den Bergen, wir sind schon alle ganz durchgeschüttelt, soll es einen Bauernhof zu sehen geben. Es ist aber nur eine gut gemachte Verkostung und Einkaufsmöglichkeit einheimischer Produkte. Auch die als nächstes angekündigte Zigarrenfabrik ist nicht größer als eine halbe Garage mit drei "Drehern" drin.
Aber dann geht es zur Sache. Für den Besuch des Wasserfalls von St. Limòn werden wir alle in Gummistiefel gesteckt und auf Pferde gesetzt. Es ist das erste Mal. Das ich reite! (also, auf einem Pferd, mit Sattel und so). Und schon geht es los, über Stock und Stein, als erstes durch einen Bach, und auch der Rest des Wegs ist steinig, glitschig, und nicht einfach. (sagen auch Leute, die reiten können). Wie geht das alles? Werdet Ihr Euch fragen. also zugegeben, jedes Pferd hat sein Herrchen oder Frauchen mitgebracht, die immer nebenher laufen, das Pferd führen oder zumindest kommandieren, und auch sonst alles für den Reiter tun, z.B. fotografieren oder vor tiefhängenden Ästen warnen.
Oberhalb des Wasserfalls angekommen, dürfen wir absteigen, und 250 glitschige Stufen zum Wasserfall abwärts gehen. Auch hier käme der Führer mit, das Pferd allerdings nicht. Ich verzichte auf das Abenteuer mit den ungewohnten Gummistiefeln, woraufhin Momo, so heißt er, mit mir durch das Dickicht schleicht zu einer Stelle, wo man den Wasserfall von oben fotografieren kann. Dann holt er schon wieder dieses Pferd, Mephisto hieß es, und bringt mich ersatzweise zum sogenannten kleinen Wasserfall, den man vom Pferd aus fotografieren kann, wenn man nicht vorher runterfällt, aber es geht alles gut. Ich glaube, reiten ist nicht meins. Als ich wieder festen Boden unter den Füßen habe, beschließe ich, zukünftig keine Actionfilme mehr zu drehen. Nächstes Jahr mache ich lieber einmal etwas intellektuell-seriöses, zum Beispiel "Torte im Glacier-Express".
Nach den nächsten beiden Cuba libre karrt man uns in wilder Jagd zur Hauptstadt Samana, wo sie im Hafengebiet wunderschöne bunte Häuser haben, und wir dürfen auf ein Motorboot umsteigen. Das bringt uns unter lautstarkem Absingen von Merenguehits ein Stück die Küste entlang, bis zum Mittagessen in einem "Gäste-ohne-Wände"-Restaurant. (klingt fast wie ein Hilfsprojekt). Geschmeckt hat es nicht, aber sie haben eine ganz süße Katze. Mit ihrem Dominikanischen Temperament kommt sie aber erst zum betteln, als schon alles abgetragen war. Ist vielleicht auch besser so.
Das Motorboot bringt uns jetzt zum ausgelobten Höhepunkt des Ausflugs: der sogenannten Bacardi-Insel (seit den legendären Bacardi-Werbespots der späten 80er, die in der Karibik spielen, gibt's diese Inseln überall. Aber die echte liegt weder in der Karibik, noch im Roten Meer).
Und was soll ich Euch sagen: Es ist wie überall, Strand, wie am Hotel, nur mit Müll und auch Glasscherben, viele kaputte Liegestühle, und die Getränke kosten extra. Für mich war der interessanteste Anblick das Hotel Gran Bahia Princip, in dem vor ein paar Jahren eine Folge der ARD-Serie "Traumhotel" gedreht wurde. Leider dürfte ich nicht rein. Die Security hat mich zu dem vorgenannten Strand geschickt...
Während dem ruhigen Flug von 25 Minuten (es kam uns allen länger vor) kann man den Piloten prima bei der Arbeit zusehen. Ich weiß jetzt zum Beispiel, wie man die Triebwerke ein- und ausschaltet. Kurz vor der Landung ertönt eine Alarmsirene, aber keine Angst, es sind nur die Räder, die wieder heraus kommen.
Auf dem Flughafen von Samana erwarten uns die heutigen Fremdenführer, ein paar Busse in Restaurantform (Sitze, Dach, Geländer, keine Wände), und der erste Cuba libre des Tages. Schon geht es los, in wilder Fahrt über Stock und Stein, mit auf Vollast laufender Bio-Klimaanlage. Mindestens ein Hut verlässt an diesem Tag seinen Besitzer auf Nimmerwiedersehen. Später, in den Bergen, wir sind schon alle ganz durchgeschüttelt, soll es einen Bauernhof zu sehen geben. Es ist aber nur eine gut gemachte Verkostung und Einkaufsmöglichkeit einheimischer Produkte. Auch die als nächstes angekündigte Zigarrenfabrik ist nicht größer als eine halbe Garage mit drei "Drehern" drin.
Aber dann geht es zur Sache. Für den Besuch des Wasserfalls von St. Limòn werden wir alle in Gummistiefel gesteckt und auf Pferde gesetzt. Es ist das erste Mal. Das ich reite! (also, auf einem Pferd, mit Sattel und so). Und schon geht es los, über Stock und Stein, als erstes durch einen Bach, und auch der Rest des Wegs ist steinig, glitschig, und nicht einfach. (sagen auch Leute, die reiten können). Wie geht das alles? Werdet Ihr Euch fragen. also zugegeben, jedes Pferd hat sein Herrchen oder Frauchen mitgebracht, die immer nebenher laufen, das Pferd führen oder zumindest kommandieren, und auch sonst alles für den Reiter tun, z.B. fotografieren oder vor tiefhängenden Ästen warnen.
Oberhalb des Wasserfalls angekommen, dürfen wir absteigen, und 250 glitschige Stufen zum Wasserfall abwärts gehen. Auch hier käme der Führer mit, das Pferd allerdings nicht. Ich verzichte auf das Abenteuer mit den ungewohnten Gummistiefeln, woraufhin Momo, so heißt er, mit mir durch das Dickicht schleicht zu einer Stelle, wo man den Wasserfall von oben fotografieren kann. Dann holt er schon wieder dieses Pferd, Mephisto hieß es, und bringt mich ersatzweise zum sogenannten kleinen Wasserfall, den man vom Pferd aus fotografieren kann, wenn man nicht vorher runterfällt, aber es geht alles gut. Ich glaube, reiten ist nicht meins. Als ich wieder festen Boden unter den Füßen habe, beschließe ich, zukünftig keine Actionfilme mehr zu drehen. Nächstes Jahr mache ich lieber einmal etwas intellektuell-seriöses, zum Beispiel "Torte im Glacier-Express".
Nach den nächsten beiden Cuba libre karrt man uns in wilder Jagd zur Hauptstadt Samana, wo sie im Hafengebiet wunderschöne bunte Häuser haben, und wir dürfen auf ein Motorboot umsteigen. Das bringt uns unter lautstarkem Absingen von Merenguehits ein Stück die Küste entlang, bis zum Mittagessen in einem "Gäste-ohne-Wände"-Restaurant. (klingt fast wie ein Hilfsprojekt). Geschmeckt hat es nicht, aber sie haben eine ganz süße Katze. Mit ihrem Dominikanischen Temperament kommt sie aber erst zum betteln, als schon alles abgetragen war. Ist vielleicht auch besser so.
Das Motorboot bringt uns jetzt zum ausgelobten Höhepunkt des Ausflugs: der sogenannten Bacardi-Insel (seit den legendären Bacardi-Werbespots der späten 80er, die in der Karibik spielen, gibt's diese Inseln überall. Aber die echte liegt weder in der Karibik, noch im Roten Meer).
Und was soll ich Euch sagen: Es ist wie überall, Strand, wie am Hotel, nur mit Müll und auch Glasscherben, viele kaputte Liegestühle, und die Getränke kosten extra. Für mich war der interessanteste Anblick das Hotel Gran Bahia Princip, in dem vor ein paar Jahren eine Folge der ARD-Serie "Traumhotel" gedreht wurde. Leider dürfte ich nicht rein. Die Security hat mich zu dem vorgenannten Strand geschickt...
Sonntag, 28. Oktober 2012
Keimen lassen
Heute fühle ich mich nicht so besonders, vielleicht war gestern der letzte Caipi nicht mehr frisch. Das ist zwar Unsinn, aber eine gute Überleitung. Manchmal sollte man nämlich etwas genauer hinsehen, was man vom Buffet nimmt, wann und von welchem. Das mit dem Kartoffelbrei hatte ich ja schon kurz erwähnt, aber es gibt auch Indizien, die man bemerken kann, bevor sie auf dem Teller liegen. Zum Beispiel kühlt die eine Hälfte der Theke im Strandrestaurant nicht mehr richtig, gut zu erkennen daran, daß die Platte, auf der die ganzen Schüsseln stehen, nicht von einer Eis-, sondern einer Wasserschicht bedeckt ist. Also, hier nehmen wir schon einmal keine Frischwurst. Oder gebratene Salamischeiben in der englischen Frühstücksabteilung. Auch die haben ihr Rentenalter schon erreicht. Genau hinsehen sollte man auch bei den halben hartgekochten Eiern, die es immer gibt. Manchmal sind sie mit rotem Kaviar garniert, was zwei Vorteile hat: Erstens bleiben nicht so viele übrig, und zweitens kann man sie morgen am Strand wiedererkennen. Das geht noch, falls sie auf der kalten Seite liegen. Werden sie aber klein geschnitten serviert, egal wo, dann: siehe Salami.
Es gibt aber auch frische Sachen, von denen man es nicht so vermutet. Auf dem Salatbuffet findet man meistens Sojasprossen, und die sind nicht aus der Dose, sondern selbst gezogen. Woher ich das weiß? Nun, der Mensch, der immer die kleinen gelben Schilder schreibt, auf denen steht, was in der Schüssel drin ist, hat wohl von der Verpackung des Vorprodukts die verkehrte Seite abgeschrieben. In mehreren Sprachen steht da jetzt "keimen lassen"
Es gibt aber auch frische Sachen, von denen man es nicht so vermutet. Auf dem Salatbuffet findet man meistens Sojasprossen, und die sind nicht aus der Dose, sondern selbst gezogen. Woher ich das weiß? Nun, der Mensch, der immer die kleinen gelben Schilder schreibt, auf denen steht, was in der Schüssel drin ist, hat wohl von der Verpackung des Vorprodukts die verkehrte Seite abgeschrieben. In mehreren Sprachen steht da jetzt "keimen lassen"
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